Was machen wir heute? : Auf den Hund kommen

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Während des Studiums jobbte ich bei einer Hilfsorganisation. Ich klingelte im Umland von Basel in Hochhaussiedlungen, bei Bauern und bei Villenbewohnern. „Grüezi. Wollen Sie die Arbeit des Roten Kreuzes unterstützen?“

Viele Reiche hatten ein Schild am Gartenzaun: „Vorsicht, bissiger Hund!“ Ich lernte, dass die Schilder nur der Einschüchterung dienen, und einen realen Wachhund ersetzen: Rüttelte ich an einem Gartentor mit Warnschild, kam nie einer um die Ecke gehechelt. Beschwingt öffnete ich von da an einschlägige Gatter, spazierte auf die Villa zu – und eines Tages stürzte sich eine Dogge auf mich.

Seither hab ich es nicht mehr so mit Hunden. Leider aber wohnt ein Freund von mir in Friedrichshain. Menschen lassen sich bekanntlich viel zu leicht beeinflussen: Neulich hat eine wissenschaftliche Studie ergeben, dass, wer sich häufig mit dicken Menschen umgibt, ein erhöhtes Risiko aufweist, selbst übergewichtig zu werden. Und in Friedrichshain wirkt offensichtlich der Hundebesitz ansteckend. I. hat sich jetzt auch einen Vierbeiner angeschafft! „Mila bellt nie“, schwärmte er am Telefon. „Ein richtiger Familienhund.“ Ja, ja, dachte ich. Das sagen sie alle, diese Hundefreaks.

Leider hat I. einen viel besseren Fernseher als ich. Daher wagte ich mich zum Fußballgucken in seine Wohnung. Das Verblüffende: Sein Hund aus dem Tierheim bellt in der Tat nie. Mila ist so freundlich, dass ich freiwillig mit ihr Gassi gegangen bin. I. wollte mir vorführen, wie schnell sie rennen kann. Aber die meiste Zeit über lag Mila träge und zufrieden neben mir im Sand. Mit der kann man prima rumhängen!

Und I. hat recht: Mit einem Familienhund gibt es immer einen Grund, auch bei schlechtem Wetter und schlechter Laune das Haus zu verlassen. Man kann viel lernen von den Friedrichshainern. Till Hein

Im Tierheim Berlin warten noch mehr als 200 Hunde auf einen neuen Besitzer: Hausvaterweg 39, Berlin-Falkenberg, Tel. 768 88 212; www.tierschutz-berlin.de

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