Was machen wir heute? : Auf Neukölln stolz sein

Wie ein Neuberliner die Stadt erleben kann - das Heimatmuseum erkunden.

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Heimatmuseen kannte ich aus der Schweiz. Natürlich war ich schwer beeindruckt, als ich hier ein solches Haus entdeckte, gleich beim Hermannplatz. Besonders begeisterte mich die Ausstellung „Sport in Neukölln“, in der ich Tasmania Berlin kennenlernte, den erfolglosesten Verein in der Geschichte der Fußballbundesliga. Eigentlich hatten die Gründer dieses Clubs nach Tasmanien auswandern wollen, erfuhr ich. Da das nicht klappte, haben sie halt Fußball gespielt. Sehr souverän.

Die eigentliche Sammlung des Heimatmuseums jedoch lag aus Platzmangel im Depot – und daher ist das Museum jetzt umgezogen: nach Britz, direkt neben das Schloss Britz. Im tiefsten Neukölln zwar, aber gar nicht schwer zu erreichen: mit der U-7 bis Parchimer Allee, und dann geradeaus bis zu einer Imbissbude, die preiswerte „Schüler-Döner“ verkauft. Dahinter wird die Landschaft plötzlich grün und ländlich. Aber wo ist das Schloss? „Einfach durchs Gehege durch, dann sehen Sie es schon“, sagt eine Anwohnerin. Was für eine Nachbarschaft: Schafe, Ziegen, Kühe!

99 Schätze der Neuköllner Geschichte wurden ausgewählt: das Gebiss eines Mammuts, mehr als 20 000 Jahre alt. „Wurde in einer Kiesgrube im Körnerpark ausgegraben“, erzählt die Kuratorin. Eine Büste von Turnvater Jahn, der in der Hasenheide für Deutschland den Sport entdeckte. Den hundert Jahre alten Tropenhut „Royal Grand Luxe“ des Unternehmers Franz Körner, nach dem der Körnerpark benannt ist. Und der ausgestopfte Riesenauerhahn? „Eine Großtrappe aus Gropiusstadt“, erklärt die Kuratorin. „Die lebten dort noch Mitte der 40er Jahre.“

Das silberne Kreuz in einer Vitrine ist kein Bischofsstab – sondern eine Saugglocke, um Geburten einzuleiten. Habe ein Neuköllner Professor erfunden. „Der Vater der Pränatalmedizin“, erzählt Frau Hoffmann. Neukölln ist offensichtlich der Nabel der Weltgeschichte – und es war ein grober Fehler, dass ich wieder nach Kreuzberg gezogen bin.

Heimatmuseum Neukölln, Alt-Britz 81. Geöffnet Di. bis So. 10 – 18 Uhr; http://www.museum-neukoelln.de, Tel: 627 277 727

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