Kultur : Was machen wir heute?: Das Licht suchen

Britta Wauer

In letzter Zeit sind ein paar gemeine Katastrophen passiert. So beklagte sich ein Anwalt, dass seine Waschmaschine trotz patentierter Gegenmaßnahme noch immer einzelne Socken von ihm frisst. Meine Freundin ist gegen eine Tür gerannt und hat sich die Nase gebrochen. Sie hat es gar nicht mitgekriegt, erst als die Nase wieder schief zusammengewachsen war. Bei einem Kollegen schlug der Blitz ein, und eine Haushälfte ist abgebrannt. Schon seit zwei Wochen schreibt er Listen für Versicherungen mit allen Sachen, die dran glauben mussten.

Natürlich sind verlorene Strümpfe nicht gleichzusetzen mit einem abgebrannten Hausflügel. Aber alle Schadensmeldungen sind Hilfeschreie genervter Mitmenschen, von denen man sich neuerdings umzingelt fühlt. Was kann man tun gegen die seelischen Strapazen? Schokolade essen hebt zwar die Gemütslage, aber leider auch das Gewicht. Verreisen kann man auch nicht, wenn die halbe Hausseite offenliegt. Womöglich liegt das Problem auch woanders.

Früher informierte uns der Wetterbericht über Smogwarnstufen, Luftdruck und Ozonbelastung. Jeder konnte seine Kräfte danach einteilen. Aber wer zählt die Dauer des Sonnenscheins? Vielleicht haben wir in letzter Zeit allesamt zu wenig Licht abbekommen und unser Akku pfeift jetzt auf dem letzten Loch. Deshalb die miese Stimmung.

Dabei gibt es einfache Mittel gegen Sonnenmangel: Rotlichtbestrahlung bei Erkältungen, lila Leuchten für dümpelnde Zimmerpflanzen und ein Lampionumzug für die quengelnden Kleinen. Bei allen drei Leidensgruppen (Kranken, Pflanzen, Kindern) stellt sich garantiert ein Besserungseffekt ein. Daraus sollten wir lernen und deshalb kommt hier die entscheidende Frage: Wann haben Sie sich zuletzt eine Lampe gekauft? War es in der kalten Jahreszeit? Oder sogar noch früher?

Lampenverkäufer erleben genau wie Pelzhändler und Schlittenbauer jeden Sommer eine Saisonflaute. Dabei sollten sie so etwas wie Heilpraktiker für Sonnenhungrige sein. Der Körper lässt sich nämlich gern belügen. Er freut sich an einer Lichtquelle und lässt es sich viel besser gehen. Auf die Sonne ist nun mal kein Verlass, eine private Lichtquelle erregt dagegen auf Knopfdruck die Gemüter. Nur sollte das Prachtstück zweierlei sein - repräsentativ und lichtstark. Bei einem Freund konnte ich neulich zum Beispiel eine geniale Ziehharmonika-Lampe bewundern, die aussieht, als bestünde sie aus einer langen Reihe von metallenen X-Buchstaben. Man kann sie auseinanderziehen und wieder zusammenstauchen- je nach Bedarf und Lebenslage. Eine ziemlich clevere Idee von ein paar jungen Lampendesignern vom Prenzlauer Berg.

Ganz nebenbei hatte die schöne Leuchte noch einen anderen guten Effekt für den Besitzer: Gäste haben seinen guten Geschmack gelobt, das war eine weitere Streicheleinheit für die geplagte Seele.

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