Was machen wir heute? : Die Schwermut bekämpft

Dorothee Nolte

Bis vor Kurzem glaubte ich, mein Jüngster sei ein sonniges Kerlchen. Aber im Herbst übermannt ihn immer öfter die Schwermut. „Uhuhu“, jault er zum Beispiel, „Timmy und du, ihr habt Gitarren mit fünf Saiten und meine hat nur vier!“ Es stimmt, seine Gitarre ist eine Ukulele, unsere haben die herkömmlichen sechs Saiten. Gemein! Auch sein fünfter Geburtstag gibt viel Anlass zur Trauer. „Wann habe ich endlich Geburtstag?“, fragte er kürzlich. Ich hob dreimal alle zehn Finger. Entsetzen zeichnete sich auf seinem Gesicht ab. „So lange noch? Huhuhu! Ich will jetzt schon ein Geschenk!“

„Wenn Lucas eins kriegt, kriege ich auch eins“, meldete sich der große Bruder zu Wort. Lucas, empört: „Aber Timmy hat nicht so viele Probleme!“ „Mein Gott“, sagte ich, ehrlich erschrocken, „was hast du denn für Probleme?“ „Ich kann nicht laufen und nicht stehen!“ Das war eindeutig übertrieben. „Darf ich bitte morgen Geburtstag haben? Ich will ein Geschenk!“

Am nächsten Tag stand er schon in der Tür, als ich von der Arbeit kam. „Wo ist mein Geschenk?“ Ich hatte keins dabei. „UHUUU!!!“, ging das Gebrüll los, und binnen kurzem flogen drei Nervenkostüme in Fetzen herum. „Hör auf, Lucas“, rief Timmy, die achtjährige Stimme der Vernunft, „man braucht nicht so viele Spielzeuge! Kinder in Afrika haben nur ein einziges Spielzeug!“ Wir bemühen uns in unserem Haushalt normalerweise um ein differenziertes Afrikabild, aber gut. „Wenn du ein Kind zu Papas Zeiten wärest“, setzte Timmy noch eins drauf, „dann würde dich dein Vater jetzt schlagen und du lägest heulend unterm Sofa!“

„Huhuhu, ich will ein Spielzeug! Huhuuu!“ Das ging eine gefühlte Stunde lang so. Irgendwann versprach ich der Nervensäge, pädagogisch fahrlässig, einen Playmobil-Ritter. Im Laden konnte er sich erst für keinen begeistern, denn wir haben schon viele Playmobil-Ritter. Aber am Abend herrschte bei uns tiefer Friede, zumindest eine Weile lang. Dorothee Nolte

Gegen die aufkommende herbstliche Schwermut hilft Playmobil oder ein Spaziergang im Park Ohne Sorgen, landläufig Sanssouci, mit anschließender Einkehr im Krongut Bornstedt.

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