Was machen wir heute? : Dinosaurier besuchen

Dorothee Nolte

In meiner Kindheit waren Dinosaurier, so weit ich mich erinnere, kein Thema. Heute dagegen wird der Nachwuchs über die vielen bunten Dino-Bücher schon früh an die Wissenschaft herangeführt. Das finde ich prima. Mein vierjähriger Lucas kann dozieren wie ein Professor der Paläontologie. „Vor 65 Millionen Jahren sind die Dinos ausgestorben, weil in Mexiko ein Meteorit eingeschlagen ist“, referiert er, ganz auf dem aktuellen wissenschaftlichen Stand. Er kann korrekt erklären, wie Fossilien entstehen. Sein Traum: „Ich will Forscher werden!“ In einem eigenen Museum will er dann seine ausgebuddelten Dinos ausstellen, mit dem museumspädagogischen Gag, dass die Skelette auch als Klettergerüste und Rutschen nutzbar sind.

Vorbildlich! Mit diesem Kind kann ich Fachgespräche führen. „Ich weiß, warum der Meteorit eingeschlagen ist“, erklärte er kürzlich. „Die Astronauten haben ihn runtergeworfen, damit die Dinos endlich aussterben!“ Mit nur mäßigem Erfolg allerdings, denn: „In Spanien gibt es noch Tyrannos, das hat mir mein Bauer gesagt.“ Nein, wandte ich ein, das sei empirisch nicht haltbar: Meine Wenigkeit sei in Spanien gewesen und habe keine Tyrannos getroffen. Hier steht Aussage gegen Aussage. Wir lassen die Frage also offen.

Seine Kernthese tat Lucas kund, nachdem wir den neu gestalteten Sauriersaal im Naturkundemuseum bewundert hatten. Er verkündete im Ton eines Messias: „Die Dinos werden wiederkommen!“ Ich wiegte bedächtig mein Haupt, so wie es Wissenschaftler tun, wenn sie die These des Kollegen zwar für sehr gewagt halten, sie aber auch nicht vollständig ausschließen möchten. Wer kann schon sagen, wie die Erde in Millionen von Jahren aussehen wird? Vielleicht herrschen wirklich wieder die schrecklichen Echsen? Der Messias fuhr fort: „Dann finden die Dinos unsere Knochen und stellen sie ins Museum!“ Ich wünsche mir, dass ich dann dabei sein darf, als Rutsche. Dorothee Nolte

Die neu gestaltete Saurierausstellung im Museum für Naturkunde entzündet in Familien hitzige wissenschaftliche Diskussionen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben