Was machen wir heute? : Einen Schuhdieb ermitteln

Brigitte Grunert

Klar, Berlin ist kein Ort wie jeder andere. Hier kann man allerhand erleben. Selbst das Unmögliche geschieht. Erst neulich fiel meiner Nachbarin auf, dass einer ihrer Gartenschuhe, die sie immer vor der Tür stehen hat, fehlte. Wenige Tage darauf passierte der zweiten Nachbarin das Gleiche. Über Nacht war ein alter Gartenschuh von der Terrasse verschwunden. Nun geht es in warmen Sommernächten am Schlachtensee, an dem wir wohnen, öfter hoch her. Ein Dieb aus Übermut? Nein, nein, wer käme schon auf die Idee, einzelne alte Latschen zu klauen?

Doch wie sich herausstellen sollte, war der Gedanke goldrichtig. Tatsächlich stromert nachts ein seltsamer Schuhfetischist im Garten herum. Als er auch noch zu früher Morgenstunde der Nachbarin ungeniert ins Fenster blickte, war er erkannt und als Herr (oder Frau?) Reineke identifiziert. Jawohl, der Schelm ist ein Fuchs. Ach, man wird sprichwörtlich alt wie eine Kuh und lernt immer noch dazu. Unser Schelm versteckt sich übrigens selbst am hellen Mittag nicht im Wald. Dieser Tage wurde er auf einem verwilderten Grundstück in der Nachbarschaft gesichtet, wie er im hohen Gras die Umgebung beäugte.

So sonderbar wie es scheint, ist die Episode auch wieder nicht. Die Füchse haben sich in den Städten breitgemacht. Hier haben sie keine Feinde, werden nicht geschossen wie auf dem Lande und finden reichlich Nahrung. Da sie sehr lern- und anpassungsfähig sind, gelten sie als schlau. Daher nannte man den Fuchs im Mittelalter Reinhart (der wegen seiner Schläue Unüberwindliche), in der Verkleinerungsform Reineke/Reinecke.

Gewiss fressen Füchse keine Schuhe. Wie in einer Information des Senats im Internet zu lesen ist, schleppen junge Füchse gern leichte Gegenstände vor den Bau, eben auch Schuhe. Ganz schön listig, mit Scheinbeute zu glänzen. In der Information steht auch, dass Fuchsbandwurm und Tollwut derzeit so gut wie keine Gefahr sind, wenngleich Vorsicht geboten ist. Und man sollte nichts über Nacht draußen liegen lassen, was so ein schlaues Füchslein forttragen kann.Brigitte Grunert

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