Was machen wir heute? : Fernsehen

Jochen Schmidt

Gut, dass ich mir vor der WM keinen größeren Fernseher gekauft habe, denn inzwischen gibt es platzsparende Flachbildschirme, und irgendwann werde ich froh sein, mir auch davon keinen gekauft zu haben, weil es noch platzsparendere Geräte geben wird. Auf meinem kleinen Schwarz-Weiß-Fernseher aus dem Intershop wäre Fernsehen fast wie Radiohören, wenn der Ton nicht dauernd ausfallen würde. Ich gucke fast nie fern, obwohl ich seit frühester Kindheit fernsehsüchtig bin. Aber ich kann keine fünf Minuten „Tatort“ mehr ertragen und beobachte fassungslos, wie beliebt solche Sendungen sind.

Ab Freitagabend rechnet offenbar kein Sender mehr ernsthaft mit Zuschauern. Das Nachmittagsprogramm zur Wochenmitte weckt dagegen mein Jagdfieber. Heute beginnt es mit BR3, wo „Die Laubenpieper von Pankow“ wiederholt wird, eine Doku, bei der man erfährt, dass in einer Laubenkolonie die Hecke eine bestimmte Höhe nicht überschreiten darf. Wie einfach es ist, interessantes Fernsehen zu machen, man muss nur die Menschen filmen, die einem, wenn man ihnen im Leben begegnet, auf die Nerven gehen.

Danach kommt auf ARD „Sturm der Liebe“, der Titel verspricht einiges, trotzdem habe ich die Serie noch nie gesehen. Allerdings gucken sie meine Eltern jeden Nachmittag, und es ist immer so ein schönes Gefühl, zur selben Zeit dasselbe zu gucken, als verabrede man sich, nachts zu einem Sternbild hochzuschauen. Im Anschluss bringt RTL2 „King of Queens“. Lehrstückhaft wird hier der Ernstfall Familie durchgespielt: Der verwitwete Vater zieht mit ins Haus. Schwiegervater Arthur ist überhaupt eine der spektakulärsten Fernsehfiguren. Allein wie er versucht, mit der Erfindung eines eigenen Schraubenziehers reich zu werden, den er aus den A-Typen alter Schreibmaschinen baut! So einen Schwiegervater hätte ich gerne, aber dazu müsste ich erstmal heiraten. Jochen Schmidt

Mittwochnachmittag im Fernsehen: 13.30 Uhr, BR3, „Die Laubenpieper von Pankow“. 1510 Uhr, ARD, „Sturm der Liebe“. 15.50 Uhr, RTL2, „King of Queens“

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