Was machen wir heute? : Flöte lernen

Wie eine Mutter die Stadt erleben kann - beim Flötenkonzert in der Staatsoper unter den Linden.

Nicola Kuhn

Die musikalische Erziehung vom Jan und Josefine schreitet voran. Als brave bildungsbürgerliche Eltern haben wir von Anfang darauf geachtet. Schließlich sollten der eigene Klavierunterricht, der Flötenkreis, die Gitarrenstunde und die Versuche auf dem Saxofon zu etwas nutze sein. Unsere Hoffnung heißt Hausmusik. Also gingen Jan und Josefine schon im zarten Alter von vier Jahren zu Elena in die Leo-Kestenberg-Schule, wo sie jeden Samstag singen, tanzen, rhythmisch klopfen lernten. In den Kindergarten kam immer dienstags ein netter junger Mann, Musikpädagoge, mit dem sie aus Joghurtbechern und Tischtennisbällen Rasseln bauten. Mit der Schule aber wurde auch diese Sache ernst: ein Instrument musste her.

Josefine dachte sogleich an ein Klavier, Jan schwebte eher die Trompete vor. Auch wir Eltern waren von dieser Vorstellung ganz angetan, sahen unsere Kinder schon in den großen internationalen Sälen konzertieren, als weltberühmtes Geschwisterpaar. Wenn nur nicht das Notenlesen dazwischen wäre. Also landeten unsere Hoffnungsträger erst einmal beim Flötenunterricht, wo sie auch nach einem halben Jahr nicht mehr als drei Töne beherrschen, mit denen sich jedoch allerlei hübsche Lieder spielen lassen – vom lieben, guten Weihnachtsmann bis zum Kuckuck. Natürlich hatten wir uns das anders gedacht, aber wer nur einmal in der Woche übt, dessen musikalische Karriere dauert eben länger. Flötenlehrerin Gaby lässt sich trotzdem nicht beirren und präsentiert auch ihre jüngsten Talente bei jedem Schülerkonzert, um zu motivieren.

Auch wir Eltern glauben weiterhin daran und setzen mit unserem Bildungsprogramm nun von anderer Seite an: gehen in Familienkonzerte, besuchen „Pinocchio“ und „Robin Hood“ in der Komischen Oper. Jan und Josefine sind begeistert. Auf die Frage „Na, wie hat es euch gefallen?“ wird nur mit der Gegenfrage reagiert: „Du Mama, sind die auf der Bühne wirklich ineinander verliebt?“ Die Musik ist eben eine Himmelsmacht. Nicola Kuhn

Das nächst Familienkonzert der Staatsoper Unter den Linden findet am 29. /30. März statt.

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