Was machen wir heute? : Gipfelmusik hören

Sonja Niemann

Ich bin so froh, dass dieser Gipfel bald vorbei ist, denn langsam habe ich genug Interviews mit Bono und Judith Holofernes von „Wir sind Helden“ darüber gelesen.

Dass auch Herbert Grönemeyer und Bob Geldof gegen Armut sind, finde ich gut, ihre Musik aber nicht. Hinzu kommt bei Geldof, dass ich mich noch immer dafür schäme, mit 16 in der Kleinstadtdisko zu Geldofs einzigem Solo-Hit mit dem Refrain „nananana nanana dadeldidibda“ (aus der Erinnerung transkribiert) im Kreis umarmt und beineschwingend getanzt zu haben, so wie man es jetzt noch auf Hochzeiten nach sieben Tequila und drei Korn zu Liedern von Dschinghis Khan macht.

Überhaupt, schlechte Musik. Wie die meisten der nach Berlin Zugezogenen weiß ich es sehr zu schätzen, dass es hier noch ein paar gute Radiosender gibt, wo man nicht dauernd mit Jingles, „Comedy“, Meldungen vom HSV und den Top-30-Hits belästigt wird. Wer ab und zu ins Einzugsgebiet von „n-joy“, „ffn“ und „Jump“ gerät, weiß, wovon ich rede. Nach jahrelanger Erfahrung mit Dudelsendern stelle ich hier meine persönlichen Top 5 der schlimmsten Lieder der letzten 30 Jahre zur Diskussion: 5.) „Lemon Tree“ von Fools Garden. 4.) „We built this city“ von Starship. Zum Glück bereits ziemlich in Vergessenheit geraten. 3.) „Believe“ von Cher. Lieblingslied einer weiblichen Dämonin in einer Folge „Buffy“. 2.) „Lady in red“ von Chris De Burgh. So was hören Männer, die in Kontaktanzeigen schreiben: „Suche süße Maus, die sowohl im Abendkleid in der Oper als auch in Jeans an der Currywurstbude eine gute Figur macht.“ Und Platz eins: „Sexy“ von Marius Müller- Westernhagen.

Immerhin: Nichts Aktuelles dabei! Nicht mal was von den Scorpions. Und auch nichts von Gruppen, die beim G-8-Gipfel-Konzert spielen. Also entschuldigt, Bono, Herbert, Bob und Judith: Macht weiter so. Wenn’s sein muss, auch mit Musik. Sonja Niemann

Heute anlässlich des G-8-Gipfels ab 14 Uhr Konzert in Rostock mit Herbert Grönemeyer, Bob Geldof, Die Toten Hosen und anderen, darunter auch ein paar gute Bands.

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