Was machen wir heute? : Hinter die Kulissen schauen

Wie ein Rentnerdie Stadt erleben kann

Lothar HeinkeD

Ist es das älteste Theater Berlins? Sieht ganz danach aus. Welche Bühne könnte behaupten, seit 1764 im Spiel(be)trieb zu sein? 1786 ging das „Theater an der Behrenstraße“ allerdings pleite, weil es die lange Schließzeit wegen allgemeiner Volkstrauer zum Tode Friedrichs II. nicht überlebte. 1892 war es als „Theater Unter den Linden“ plötzlich wieder da, mit Operetten, die auch noch gespielt wurden, als das Haus 1898 zum „Metropol-Theater“ wurde. Es passte ins vergnügungssüchtige Berlin, bis alles in Scherben fiel. 1945 wurde das Haus in der Behrenstraße schwer beschädigt, schon zwei Jahre später erhielt Walter Felsenstein die Lizenz für sein realistisches „Musiktheater für alle“, die „Komische Oper“, an der (bis heute) nur deutsch gesungen wird und wo man die Tradition des Sänger-Schauspieler-Theaters pflegt, ganz im Sinne des Meisters, der auf der Insel Hiddensee begraben liegt. Seine Büste blickt so streng wie väterlich auf das allabendliche Treiben im Foyer. 116 Jahre alt ist der neobarocke Zuschauersaal mit fast 1200 Plätzen, zwei Rängen und goldverschnörkelten Logen unter einem zwei Tonnen schweren kolossalen Kronleuchter, der einmal im Jahr herabgelassen und gereinigt wird. 500 Scheinwerfer erleuchten das Spiel auf der 23 Meter hohen Bühne, doch in diesem Moment, am Nachmittag, sind die Lampen dunkel und das rote Mikrofon des Inspizienten verwaist. Wir haben uns unter die Fittiche von Yvonne Trawny begeben, einer Mitarbeiterin der „Komischen“, die regelmäßig und fachkundig zum „Blick hinter die Kulissen“ einlädt. Da schlängelt sich die Gruppe über die Bühne, bewundert 57 Züge am Schnürboden, steigt in den Keller unter die Drehbühne, landet im Orchestergraben und bestaunt die spartanischen Garderoben der Gesangsstars, in denen die Plakate Felsensteinscher Inszenierungen hängen und sagen: Qualität ist unser Markenzeichen, und nun ’raus – toi, toi, toi! Lothar Heinke

Blick hinter die Kulissen heute, am 12. und 20.12., 16 Uhr. Eintritt 5 Euro.

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