Kultur : Was machen wir heute: In die Zukunft wackeln

Daniel Haaksman

Vergessen Sie Westbam und Paul van Dyk, die heißesten Plattendreher der Stadt sind im Moment Jazzanova. Seit vor eineinhalb Monaten ihre Compilation "Jazzanova - The Remixes 1997-2000" erschienen ist, spielt das DJ-Kollektiv aus Prenzlauer Berg nun endgültig in der Welt-Liga. In nur drei Wochen verkauften sie 60 000 Exemplare - irre viel für ein Musikprojekt, das nicht bei Medienmultis wie Sony oder EMI veröffentlicht, sondern seine Musik auf dem eigenen Label Jazzanova-Compost herausbringt.

Letzte Woche erst sind zwei Jazzanova-DJs von einer ausgedehnten Japan-Tournee zurückgekehrt, um am Montag gleich nach Singapur weiter zu fliegen, auf Einladung des Goethe-Instituts. Wenn die Jetsetter mal nicht auswärtig auflegen, kann man sie in Berlin jeden Donnerstag im Club "Kaleidoskop" im WMF in Mitte hören, mit ihrem Mix aus House, Bossa, Hip Hop, Two Step und Jazz. Sie können davon ausgehen, dort die frischeste Musik der Stadt vorgespielt zu bekommen. Denn dort werden nicht nur die noch am Nachmittag im Studio zusammengebastelten Jazzanova-Tracks getestet, sondern auch viele Platten gespielt, die noch gar nicht erschienen sind. Beim Herumreisen bekommt man nämlich als DJ eine ganze Menge unveröffentlichte Musik zugesteckt. Sie tanzen im "Kaleidoskop" also nicht nur auf einer Veranstaltung von Welt, sondern wackeln gewissermassen auch noch in die Zukunft. Bitte schön: Wo gibt es das sonst in Berlin, für schlappe zehn Mark Eintritt?

Wenn ich Sie jetzt überzeugt habe, wunderbar, dann gehen Sie also nächste Woche ins WMF. Wenn Ihnen es bis dahin zu lange dauert, dann der Tipp: Morgen Abend, Pfefferberg. Da spielen zwei DJs aus dem Hause Jazzanova, nämlich die DJs Slomo und Mason.

Auch wenn die beiden nicht ganz so viele unveröffentlichte Musik in ihren Plattenkoffern haben wie die Jazzanovas selbst, ist ihr Mix auf alle Fälle mindestens genauso versiert. Slomo und Mason spielen übrigens im Vorprogramm des französischen Sängers Benjamin Diamond. Der Name wird Ihnen spontan vielleicht nichts sagen, aber seine Stimme haben Sie garantiert schon gehört, wenn Sie sich noch an den Hit des Jahres 1998 erinnern: "Music Sounds Better With You" von Stardust. "Ouhhh baby!", war das toll! Kürzlich hat er ein wunderbares Elektronik-Pop-Album veröffentlicht, das er morgen Abend im Pfefferberg vorstellt.

Ob Benjamin Diamond auch "Music Sounds Better With You" zum Besten geben wird, weiß ich nicht, aber selbst ohne diesen Song dürfte es ein gutes Konzert werden. Ich habe kürzlich seinen Auftritt in Paris gesehen, und dort sind die Frauen reihenweise in Ohmacht gefallen. Diamond sieht zwar nicht ganz so gut aus wie der junge George Michael, aber den Schmelz in der Stimme, den hat er.

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