Was machen wir heute? : Ins Kloster gehen

Brigitte Grunert

Neulich zog es die Rentnerin zur Ruine der Klosterkirche. Hinter hohen Bäumen liegt sie versteckt an der Ecke Kloster- und Grunerstraße (Mitte), unsere älteste Zeugin der Frühgotik. Ringsum brandet der Verkehr, aber kein Laut dringt in diese Oase der Ruhe, in die sich kaum ein Spaziergänger verirrt. Das Blattwerk mächtiger Akazien ragt in die Backsteinruine, als wolle ihr die Natur das Dach ersetzen. An der Nordwand ist die ursprüngliche Feldsteinmauer zu erkennen. Ein paar Meter weiter steht in der Waisenstraße der karge und doch aufregende Rest der Berliner Stadtmauer von etwa 1250. Und 1250 begannen die Franziskaner direkt neben dem Hof der Markgrafen mit dem Bau der Kirche, der sich bis weit ins 14. Jahrhundert hinzog. 1271 schenkten die Askanier den „grauen Brüdern“, wie man sie nach der grauen Kutte nannte, das Grundstück, und nun wurde das Kloster gebaut.

Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges fiel alles in Schutt und Asche. Später wurde die Kirchenruine gesichert. Die Klosterruine wurde abgetragen, nichts erinnert an sie. Auf einer Tafel an der Kirchenruine ist eine andere historische Spur erkennbar. „1945 durch anglo-amerikanische Bomber zerstört“, liest man. Klar, die Tafel hat die Mauerzeiten überdauert, im SED-Deutsch waren die Westmächte eben böse Kaputtmacher. Im Westen sprach man von der Zerstörung durch Luftangriffe oder sagte kurz: ausgebombt.

Aus dem Franziskaner-Kloster wurde nach der Reformation das renommierte Gymnasium zum Grauen Kloster, seit 1954 hat es seine Bleibe in Schmargendorf. Viele Schüler dieses ältesten Berliner Gymnasiums brachten es zu Rang und Namen, so der Bildhauer Johann Gottfried Schadow, „Turnvater“ Friedrich Ludwig Jahn, später Lehrer an der Schule, der Architekt Karl Friedrich Schinkel, der Kunstmäzen James Simon, Otto von Bismarck. Was doch eine gute Schule wert ist. Brigitte Grunert

Franziskaner-Klosterkirche, geöffnet Mai bis Oktober, sonntags bis dienstags 12 - 18 Uhr.

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