Kultur : Was machen wir heute?: Keine Atempause

Daniel Haaksman

Na, können Sie noch? Fühlen Sie sich auch so wie ich: Überfeiert? Nach knapp zehn Tagen nonstop Berlinale-Partys besuchen habe ich mir gestern Abend vorgenommen, dieses Wochenende wirklich mal Pause zu machen. Jeden Abend feiern, das heißt zwar jede Menge Spaß, aber leider auch: Am nächsten Tag wenig gebacken zu bekommen. Vorhin allerdings rief mich schon wieder ein Freund an und sagte: Freitagabend steigt die beste Party der ganzen Berlinale, in einem "völlig abgefahrenen 80er Jahre Schuppen".

Im Prinzip könnte das tatsächlich stimmen. Heute Abend findet nämlich im Anschluss an die Filmpremiere von Christopher Roths Film über Andreas Baader und die R.A.F. eine Party mit DJ Hell, DJ Kaos und einigen anderen Berliner Plattendreher-Größen statt. So ein DJ Programm hat es in den vergangenen zehn Tagen auf keiner anderen Berlinale-Party gegeben. Die waren nämlich in punkto Musik leider meistens ziemlich langweilig. Wer nicht dabei war, hat also nicht so schrecklich viel verpasst. Das Dumme ist nur, diesmal ist das anders - und diese Veranstaltung ist eben leider nicht öffentlich. Man braucht schon eine Einladung oder wenigstens einen richtig guten Freund, der eine hat.

Wirklich ärgerlich. Die Musik von DJ Hell und Konsorten passt zwar nicht unmittelbar zu der Zeit, in der der "Baader"-Film spielt, aber zu den Doors oder Amon Düül, die Musik, zu der man seinerzeit groovte, lässt sich eben nur bedingt tanzen. Ach, und noch was zu DJ Hell: In der aktuellen Ausgabe des Londoner Lifestyle-Magazins "The Face" wird der neue Sound of Munich auf vier Seiten abgefeiert. Das ist für einen deutschen DJ ungefähr so bedeutend wie ein Ritterschlag der Queen. Sir Hell nennt er sich jetzt zwar noch nicht, aber wenn es mit dem Münchner und seinem Label International DJ Gigolos so weitergeht, könnte auch das eines Tages wahr werden.

Was aber soll man nun tun, wenn man heute Abend partout nicht auf die "Baader"-Party eingelassen wird? Zum Glück gibt es noch eine passable Alternative: DJ Dixon und Mitja Prinz legen heute Nacht im Sternradio auf. Man kennt die beiden als das perfekte Berliner House-DJ-Team noch von den alten Samstagen im WMF. Dixon schmiss

irgendwann das Handtuch, weil er mit der Club-Politik des WMF nicht mehr einverstanden war, und seitdem hört man die beiden in Berlin leider sehr selten zusammen auflegen.

Dabei ergänzen sie sich musikalisch perfekt. Dixon steht für abwechslungsreichen, deepen und seelenvollen House und Mitja Prinz eher für die etwas härtere, elektronischere, ja "technoide"

Variante von House. Zusammen sind sie ein großartiges Erlebnis, das ich mir auf keinen Fall entgehen lassen möchte. Aber Moment, habe ich am Anfang nicht gesagt, ich wollte jetzt erst mal eine Pause machen? Okay, morgen Abend bleibe ich zu Hause. Ganz sicher.

0 Kommentare

Neuester Kommentar