Kultur : Was machen wir heute?: Kommende Sieger trainieren

Andreas Austilat

Es gibt da einen Aspekt der Fernseh-Fußball-Übertragungs-Debatte, der bisher nicht richtig beachtet wurde: Was ist, wenn kleine Jungs samstags überhaupt nicht "ran" wollen, egal um wieviel Uhr und auf welchem Sender? Wenn Daddy feststellt, dass der Sohn einen wie Deisler nur noch vom Hörensagen kennt - und sich seine Idole anderswo sucht. Im Nachmittagsprogramm zum Beispiel, wenn die Autorennfahrer unterwegs sind. Man stelle sich das einmal vor, womöglich werden wir ein Volk von Im-Kreis-herum-Fahrern.

Womit wir uns dem Tipp nähern, der diesmal auch für Fernsehverantwortliche interessant sein dürfte. Ein Trend! Es geht um einen Sport, in dem die Übertragungsrechte total billig zu haben sind.

Neulich hatte der Sohn nämlich Geburtstag. Zehn ist er geworden. Ein schwieriges Alter. Zehnjährige sind zu alt zum Topfschlagen. Und sie sind immer noch zu jung für Pfänder- oder Kussspiele. Mädchen wollte der Junge denn auch partout keine dabei haben. "Bowling", meinte er, "alle spielen Bowling an ihrem Geburtstag." Bowling? Erinnert das nicht irgendwie an Fred Feuerstein, an Zeiten, als das Fernsehprogramm noch schwarz-weiß war? Ist das nicht ziemlich altmodisch?

Eine Woche vor dem Geburtstag habe ich im Bowlingcenter angerufen. Reine Vorsichtsmaßnahme. Wer spielt schon im Hochsommer Bowling? Tatsächlich waren gerade mal noch drei Bahnen frei. "Zwölf Kinder?", hat der Mann gefragt, "nehmen Sie alle drei Bahnen, sonst kommen die zu selten ran und stehen rum." Das klang vernünftig, der Preis - acht Mark pro Spieler inklusive Schuhe und Getränk - war nämlich immer der Gleiche, ganz egal, ob Sie nun eine, zwei oder drei Bahnen nehmen, bezahlt wird immer pro Spiel. Blöd war es trotzdem, aber dazu gleich.

In der Bowlinghalle waren dann alle Bahnen dicht umlagert von kleinen Kindern mit großen Kugeln. Und überall standen Geburtstagstorten rum. Die Zählerei mit den Kegeln ist übrigens heutzutage ganz simpel, selbst für Ahnungslose. Man muss nicht mehr mit fummligen Stiften irgendwelche Karos nach Regeln ausfüllen, die keiner kennt. Das macht alles der Computer. Und er sagt auch, wer dran ist. Bowling-Geburtstage sind prima. Im Grunde hat man kaum was zu tun, der Nachwuchs amüsiert sich, und die Klimaanlage macht die heißesten Sommernachmittage richtig angenehm.

Nun die Tipps. Vier Kinder auf einer Bahn sind ganz schnell fertig. Dann wollen sie noch ein Spiel, und das wird teuer. Und: Lassen Sie für kleine Kinder einen Fangzaun aufstellen, einen so genannten Rattenfänger, dann kann die Kugel gar nicht anders als treffen. Das Erfolgserlebnis ist garantiert.

Aus hochmotivierten Kindern aber werden Spitzenbowler, die wahrscheinlich bald international auftrumpfen. Und weil die Zuschauer Sieger sehen wollen, hier noch der Tipp für die Öffentlich-Rechtlichen: Vorsichtshalber für kleines Geld Bowling-Übertragungsrechte kaufen - bevor es Kirch tut.

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