Was machen wir heute? : Radio hören

Till Hein

Ballaballa balla babb“, dröhnt es aus dem Lautsprecher – und sofort bessert sich meine Laune. „Radio Muuultikuulti“ macht glücklich! Heute geht es ums Pizzabacken, dann ist eine Band aus San Francisco zu Gast: Die Musiker sind jüdische Armenier, haben grönländische Wurzeln und spielen Rembetiko mit Dudelsackbegleitung. Oder so ähnlich. Man kann es nicht anders sagen: Radio Multikulti ist eine Oase in der Wüste.

Als Neuberliner schätze ich die Vielfalt in diesem Land: Die „Nationale Stillkommission“ zum Beispiel, die „Schlichtungsstelle für islamrelevante Konflikte“, das Kuratorium „Baum des Jahres“. Aber wegen des Radioprogramms lohnt es sich nicht, nach Berlin zu ziehen. Dagegen ist sogar unser Basler Dudelfunk „Radio Basilisk“ ein Genuss.

Mein WG-Mitbewohner, dessen Zimmer ans Bad grenzt, hat einen Hilferuf ans Radio geklebt: „Bitte morgens kein ,Paradiso‘ einschalten!“ Verständlich. Ich musste aber feststellen, dass die meisten anderen Sender in Deutschland nur anders heißen. Das Programm ist weitgehend identisch.

Da lobe ich mir Radio Multikulti. Zwar berichtet mein Lieblingssender zu wenig über Basel, weshalb ich mich manchmal ausgegrenzt fühle. Und es läuft zu häufig Rai, eine irgendwie schwülstige Musik. Aber ansonsten bin ich ein großer Fan. Andere Menschen empfinden bereits den Namen „Radio Multikulti“ als Provokation. Der Brandenburger Innenminister Jörg Schönbohm etwa schrieb vor zwei Jahren an die Programmchefin, sie möge den Sender umbenennen. In „Radio Schwarz- Rot-Gold“. Er konnte sich mit der Idee nicht durchsetzen. Vielleicht freut er sich aber jetzt, dass stattdessen bald der gesamte Sender weggespart werden soll: In wenigen Monaten soll der Jingle „Ballaballa balla babb“ zum letzten Mal erklingen. Falls nicht noch ein Wunder geschieht, wird das Leben in Berlin bald ein bisschen öder werden. Nicht mehr und nicht weniger. Till Hein

Radio Multikulti vom RBB sendet (noch) auf der Berliner UKW-Frequenz 96,3.

0 Kommentare

Neuester Kommentar