Was machen wir heute? : Reiten lernen

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Als kleines Mädchen wollte ich einen Hund und ein Pferd. Beide Wünsche haben mir meine Eltern nicht erfüllt. Zwei Schäferhunde waren ihnen gestorben, bevor ich auf die Welt kam, damit war das Thema Hund ein für alle Mal durch. Und für Reitstunden fehlte schlicht das Geld.

Der Stachel saß tief. Denn Pferde waren für mich das Allertollste. Die sanften Augen, die warmen Nüstern, das glatte Fell, der schöne Schwanz – als Zehnjährige hätte ich am liebsten ein Pferd geheiratet. So wie alle Mädchen im Alter von zehn bis zwölf. Besser gesagt, fast alle. Denn ein Mädchen kann der Pferderomantik so gar nichts abgewinnen – und das ist meine Tochter. Viele ihrer Klassenkameradinnen nehmen Reitstunden, Linda geht rudern.

Doch wenn man sich der zweiten Lebenshälfte nähert, ist die Zeit des Aufschiebens vorbei. Also bin ich ohne Kind reiten gegangen. Mit meiner reiterfahrenen Freundin bin ich auf das Gestüt Buckautal in der Nähe von Ziesar gefahren. Ein hübscher Hof, mit Efeu überrankt, zwei Hunden (!) und vielen Pferden – Schul-, Turnier-, Zucht- und Pensionspferden.

Mein Pferd hieß Hektor. Ein liebes, geduldiges Warmblut. Ich bin auf Hektor Schritt geritten und Trab. Wir waren zusammen im Wald. Ich habe ihn gestriegelt, gebürstet und ihm die Pferdeäpfel aus den Hufen gekratzt. Ich habe mit Hektor geschmust und ihm Möhren gegeben. Während meine Freundin mit ihrer Stute durch die Halle galoppiert ist, ist Hektor mit mir geduldig im Kreis getrabt.

Doch zum Reitenlernen braucht man Zeit. Zwei, drei Jahre müsste ich regelmäßig trainieren, um sicher durch das Gelände galoppieren zu können. Dafür fehlt mir die Zeit. Und so wichtig ist das Reiten dann doch nicht. Aber an dem einen oder anderen Wochenende würde ich Hektor gern mal besuchen. Vielleicht mit Linda. „Diesen Hektor würde ich doch gern mal sehen“, sagt sie jetzt. Wer weiß, was dann passiert. Heike Jahberg

Gestüt Buckautal, Pramsdorfer Straße 12, 14793 Buckautal, Tel.: 033830/60222, www.gestuet-buckautal.de

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