Was machen wir heute? : Starthilfe geben

Wie ein Rentnerdie Stadt erleben kann

Brigitte Grunert

So ein Wintermärchen ist ein bezauberndes Geschenk. Man könnte glatt vergessen, dem Klimawandel nachzugrübeln. Helle kalte Sonnentage, frostklirrende Nächte, knirschender Schnee unter den Füßen, der Wald vor der Tür wie von Zuckerwatte überzogen, wunderbar. Wann haben wir es schon mit richtigem Winter zu tun, die Kinder kennen ihn kaum, und unsereiner muss lange im Gedächtnis kramen.

Nun ja, gemeckert wird immer in Berlin, und seine Tücken hat der Zauber auch. Das Blitzeis, die Unfallgefahren, weder das Autofahren ist ein Vergnügen noch das Warten in der Kälte auf die S-Bahn oder den Bus, ach, und die Heizkosten... Ewig gestresste Berliner finden sowieso, dass Eis und Schnee im Großstadtalltag nichts zu suchen haben, sondern nur für Spaziergänge taugen, und für die Skiferien natürlich. Zugegeben, auch der Rentnerin war das phantastische Wintermärchen einen Moment schnuppe, denn das Auto, auf das sie angewiesen ist, machte nicht mit, obwohl es noch ziemlich neu ist und die Inspektion gerade hinter sich hatte. Es fing letzten Freitag ganz harmlos an. Das Autoradio bockte, mal spielte es, mal setzte es aus, gab aber leise brummende Geräusche von sich. Sie ahnte nichts Schlimmes, sie fand es nur ärgerlich. Also nahm sie sich vor, gleich am Montag in die Werkstatt zu fahren.

Am Wochenende hatte das Auto Pause, der Montag kam, doch Pustekuchen, der Motor sagte keinen Mucks. Nur dieses rätselhafte Brummen war wieder da. Verdammte Kälte, auch das noch, märchenhaft! Zum Glück kam auf ihren Hilferuf gleich jemand von der Werkstatt und gab Starthilfe. Wie sich herausstellte, war es kein Winter-Malheur, es hätte ebenso im Sommer passieren können. Das defekte Radio war, wer weiß, warum, stumm weitergelaufen, irgendwann war die Batterie leer. Du liebe Güte, was für eine Kettenreaktion, eine neue Batterie und ein neues Radio mussten her. Na wenigstens der Werkstatt sei Dank für ihren Service. Ja, auch das ist Berlin, da kann man nicht meckern. Brigitte Grunert

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