Was machen wir heute? : Strategische Partner finden

Wie ein Neuberliner die Stadt erleben kann. Zum Beispiel in die Philharmonie gehen, ohne zu viel von der Musik mitzubekommen.

Till Hein

BerlinNichts gegen Töne und Melodien! In erster Linie bin ich jedoch ein Freund des gesprochenen Wortes. Wenn ich etwa die Wahl habe zwischen einem Klavierkonzert von Lang Lang und der Sprechtheateraufführung irgendeiner Provinztruppe, dann fällt mir die Entscheidung leicht.

Dennoch war ich neulich erstmals bei den Berliner Philharmonikern. Ich kam gut zurecht in diesem neuen Milieu. Denn bevor die Instrumentalisten aufzugeigen begannen, wurde ausgiebig oral kommuniziert. In der Philharmonie gibt es jetzt nämlich eine neue Infrastruktur dank derer man sich jedes Konzert auch live im Internet anhören kann. Man brauche dafür lediglich einige Zusatzfunktionen am PC, erklärte ein Fachmann auf der Bühne, und gab zahlreiche Tipps, denen ich nicht folgen konnte.

Als nächster Höhepunkt kam gemeinsam mit dem Dirigenten Rattle ein Funktionär der Deutschen Bank auf die Bühne gelaufen und hielt eine flammende Rede. Wortgewaltig machte er deutlich, warum sein „Haus“ sich als Sponsor für diese „Investition in die Zukunft“ betätigt habe. Die Philharmoniker seien „international sehr gefragt“, schwärmte er. Überhaupt sei die Musik eine „Weltsprache“. Kein Wunder, dass die Deutsche Bank sich dem Orchester geistesverwandt fühle, denn sie sei ja bekanntlich auch international tätig.

Die Karten für das Konzert waren nicht billig, und ich freute mich daher sehr, so gut über alle Hintergründe informiert zu werden. Als die Musiker spät abends noch zu spielen begannen, war ich allerdings etwas ermattet und bekam nicht mehr viel mit.

Ich denke, in diesen Zeiten sollten sich weitere Kulturinstitutionen ein Beispiel an dieser eleganten Art der strategischen Partnerschaft nehmen. Staatstheater etwa könnten sich den „Zerbrochenen Krug“ von der Manufaktur „Meissner Porzellan“ mitfinanzieren lassen. Und für Henrik Ibsens Drama „Gespenster“ ließe sich womöglich die SPD als Co-Veranstalter gewinnen. Ich freue mich schon aufs Rahmenprogramm! Till Hein

Ipsens „Gespenster“ noch ohne Werbepartner am 19. Februar, 20 Uhr in der Schaubühne.

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