Was machen wir heute? : Über Drogen reden

Gerd Nowakowski

Ich hätte viel zu viel Angst, harte Drogen auszuprobieren“, sagt Lara: „Ich habe doch Christiane F. und die Kinder vom Bahnhof Zoo gelesen.“ Meine 16-jährige Tochter hat mitgeholfen, dass an ihrer Schule ein Theaterstück auf die Bühne gebracht wurde. Es geht um Ratte, Einstein, Rocky und Grübchen und vor allem um deren Freundin Speedy. Sie wollen zusammen sein, eine Band sein, haben Träume. Aber Speedy hat auch Drogen, so fängt es an, und wie das Gift die Freundschaft kaputt macht, das erzählt das Stück „Mensch, ich lieb dich doch“.

Mancher Mutter, manchem Vater im Publikum wird etwas klamm geworden sein. Wie Speedy abrutscht und die Clique sie nicht mehr halten kann – das wurde von den Jugendlichen nicht perfekt, aber anrührend gespielt. Die Freunde werden belogen und missbraucht, jede Sympathie ist geheuchelt, weil es längst nur noch um die Gier nach Stoff geht. Und ihre Alkohol trinkenden Eltern hören nicht mehr zu, überhören die Not.

„Flatrate-Saufen machen nur Blödmänner“, sagt Lara. An ihrer Schule wird von den Schülern ein Gesundheitstag vorbereitet, mit Infos über Rauchen und Alkohol. Klar gibt es Drogen auch in ihrer Umgebung, vielleicht nicht die ganz harten, und nicht jeder bekommt das mit.

„Ihr habt das doch auch probiert, oder?“, sagt Lara. „Damals war Haschisch viel schwächer“, winde ich mich. Jetzt, zitiere ich Fachleute, ist der Wirkstoff der Pflanzen hoch gezüchtet und hammerhart. Und Alkohol – auch so eine Versuchung auf Konzerten oder bei Partys. „Wenn man unerfahren ist, die umwerfende Wirkung von Cocktails oder Sekt nicht kennt, dann kann das schon mal schiefgehen“, sagt Lara. „Das passiert auch Erwachsenen“, muss ich zugeben. Lara grinst: „Kann mich dran erinnern.“ Sie hat eine Strategie: „Wenn ich den nicht kenne, der den Drink gemacht hat, trink ich das nicht.“ Wenn schon Fahne, dann richtig. Als sie nachts am See mit Freunden war, stank sie hinterher mächtig. Aber nur nach Lagerfeuer. Gerd Nowakowski

Alkoholfreie Party, heute, 16. Juni, ab 18 Uhr, Café Seidenfaden, Dircksenstr. 47 in Mitte.

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