Kultur : Was soll ich draußen?

Alltagsgesichter mit Anziehungskraft: Der Berliner Fotograf Ono Ludwig stellt in der Galerie Imago aus

Hans-Jörg Rother

Sie heißen Sven, Jens, Wolfgang, Julia oder Nadja und liegen in der Badewanne oder auf einem Ledersofa. Sie stehen neben dem Fenster, der Tür oder in einer anderen Ecke ihrer Wohnung und blicken entschlossen entweder in die Kamera oder daran vorbei. Es sind arrangierte Aufnahmen, die eine große Nähe des 1968 geborenen Berliner Fotokünstlers zu diesen Menschen verraten. „Sie haben eine magische Anziehungskraft auf mich ausgeübt und mich ein Stück meines Lebens begleitet“, erklärt Ono Ludwig.

Der Betrachter grübelt lange, worin diese Anziehungskraft liegen könnte. Viele der zumeist jungen Männer haben kahl geschorene Köpfe, ein Tattoo präsentieren auch die Frauen auf Armen, Beinen oder sogar am Kopf. Wie auf Verabredung trägt man kräftig gemusterte Hemden oder Blusen, die Farbkontraste springen ins Auge. „We can be Heroes, just for one Day“, hat Ludwig die Auswahl für die Imago-Galerie überschrieben und zitiert damit einen legendären Song von David Bowie. Doch nichts weist auf Arbeit und Alltag, kaum etwas auf die Biografie dieser Menschen hin. Einigen wurde ein halbes Bein oder der Unterarm amputiert. Vor allem die Entschlossenheit in den Augen jedoch dürfte Ludwig an ihnen fasziniert haben.

Ob Helden für einen Tag oder nicht, Udo, Arnold, Daniel und Nicole sind vertraute Zeitgenossen, geradezu Prototypen der Gegenwart, auf sich fixiert und an der Umwelt nur so weit interessiert, wie man darin Gelegenheit zum Erfolg finden kann. Ludwigs Fotografien umschmeicheln sie nahe zur Pop-Art, ohne ihre innere Einsamkeit zu kaschieren. Die fehlende Tiefe der Aufnahmen aus fast durchweg halbnaher Position demonstriert, worin sich der Fotograf und seine Antihelden einig zu sein scheinen: dass es sich nicht lohnt, die eigenen vier Wände zu verlassen. Oder nur, damit ihnen der Friseur wieder den Kopf rasiert. Hans-Jörg Rother

Imago Fotokunst, Auguststr. 29 c; bis 12.4., Di–Fr 12–19 Uhr, Sa 14–18 Uhr.

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