Weihnachtsoratorium in der Gemäldegalerie : Öffnet eure Ohren und Augen

In der Wandelhalle der Gemäldegalerie spielen das Ensemble Continuum und der Kammerchor Vocalconsort das Weihnachtsoratorium - noch heute sowie am 1. und 6. Januar.

von
Geburt Christi. Middelburger Altar von Rogier van der Weyden, um 1450.
Geburt Christi. Middelburger Altar von Rogier van der Weyden, um 1450.Foto: SMB

Weihnachten schon vorbei? Es gibt einen ganz anderen Rhythmus: den des Kirchenjahres, wie es 1734/35 in Leipzig ausgestaltet wurde. Da fand an sechs Tagen, in sechs Gottesdiensten zwischen dem Weihnachtstag und dem Epiphaniasfest, die Aufführung des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach statt. Auf diese Tradition berufen sich die Staatlichen Museen Berlin, die das Weihnachtsoratorium durch das Ensemble Continuum inmitten der Gemäldegalerie zur Aufführung bringen. Heute ist bereits der dritte von allerdings nur fünf Abenden – so viel Freiheit in der Neuaufteilung der sechs Oratoriums-Kantaten muss sein.

Über die Säkularisierung des Weihnachtsfestes mag nachsinnen, zumal wer die jeweilige Einführung vor Gemälden der Galerie wahrnimmt. Was auf den Tafeln sei’s der altniederländischen, sei’s der italienischen Schulen dargestellt ist, Verkündigung und Geburt des Heilands und Anbetung der Hirten und Könige, das ist Gegenstand des Oratoriums mit seinen sechs Kantaten.

Passable Akustik in der Wandelhalle

In der weiten „Wandelhalle“ der Gemäldegalerie, von der bis heute kein Mensch weiß, warum sie eigentlich errichtet wurde, die aber eine durchaus passable Akustik aufweist, können sich die strahlenden Trompeten und dröhnenden Pauken zum Eingangschor „Jauchzet, frohlocket!“ entfalten.

Der Kammerchor Vocalconsort Berlin ist differenziert zu vernehmen, und mit der Altistin Anne-Luise Oppelt und ihrer Arie „Bereite dich, Zion“ hat der Eröffnungsabend am ersten Weihnachtsfeiertag seinen Höhepunkt. Dirigent Nicolas Fink führt Ensemble und Chor jederzeit sicher, und beseligt vergessen die Hörer, deren Spätkommenden ob der unvorhergesehenen Anzahl noch Klapphocker ausgegeben werden müssen, die Projektionen der Gemälde auf der Leinwand über den Musikern. Man sieht sie ohnehin besser im Original.

Gemäldegalerie, heute sowie am 1. und 6. Januar, jeweils 19:30/20 Uhr. – Infos unter www.smb.museum/veranstaltungen

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben