Kultur : Wenn der Rabbi Löcher bohrt Brit-Schauermärchen: Spymonkey im Tipi

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Es soll ja immer noch Leute geben, die glauben, dass britischer Humor etwas mit der feinen englischen Art zu tun hat, die in der Pfefferminzplätzchenwerbung beschworen wird. Dann geraten sie an eine britische Comedytruppe wie Spymonkey und erschrecken sich, dass ihnen ordinäre Gags wie Fürze um die Ohren knattern. Und letztere gleich noch dazu. Das Premierenpublikum des ersten Deutschlandgastspiels der in London bejohlten Show „Cooped“ rettet sich im Tipi am Kanzleramt nach dem ersten Staunen über den groben Unfug made in UK konsequent in haltloses Gekicher. Über Pingpong-Bälle, die die Lady zwischen den Beinen hervorpresst und ins Publikum schießt. Über fliegende Pimmel beim Feigenblatt-Ballett der Herren. Über drei orthodoxe Rabbis, die in wildem Hebräisch-Kauderwelsch die Größe der beim Beischlaf durch ein Bettlaken gebohrten Löcher vergleichen. Huihuihui. Das ist ein Sketch, den sich deutsche Komiker nicht erlauben.

Toby Park, Petra Massey, Aitor Basauri und Stephan Kreiss, die ihr Genre „Physical Theatre“ nennen, schon. Ihre krause Geschichte spielt auf einem düsteren Landsitz in Northumberlandshirehampton und persifliert Schauerromane und Edgar-Wallace-Filme. Inklusive einer naiven Blondine, eines bekloppten deutschen Butlers, mordlüsterner Adeliger, eines spanischen Knattermimen sowie Gesangseinlagen, Gruselmusik, Papprequisiten und ferngesteuerter Fasane. Dass der herrliche, nach der Pause allerdings zu hastig und beliebig aufgelöste Kokolores englisch vorgetragen wird, macht nichts. Das entfernt an die Marx Brothers oder an Monty Python erinnernde Gewürge der Körper und Mienen funktioniert am besten ohne zu viel Worte. Außerdem spricht Toby Park, der in das Spiel im Spiel einführt, perfektes Denglisch: „Willkommen im Tipi. Nur einen Katzensprung von Brechts Berliner Ensemble entfernt – the holy temple of the Verfremdungseffekt.“ Dem hängen auch Spymonkey an: auf die komische, britische Tour.Gunda Bartels

Tipi am Kanzleramt, bis 26.1., Di-Sa 20 Uhr, So 19 Uhr

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