Kultur : Wenn Rosa Luxemburg mit Bärbel Bohley diskutiert...

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Sie ist die Heiligenfigur der deutschen Linken. Rosa Luxemburg (1871-1919), die Mitbegründerin des Spartakusbundes, spukt bis heute durch die Träume von Sozialisten, Anarchisten, Kommunisten und Utopisten. Mehr noch: Sie beschäftigt sogar die Fantasie wirklich nachdenklicher Menschen, die mit beiden Beinen im Leben stehen. Da wäre zum Beispiel Florian Havemann, der Sohn des DDR-Regimekritikers Robert Havemann. Havemann junior ist Maler, Komponist, Verfassungsrichter im Land Brandenburg und neuerdings Dramatiker. Zehn Jahre lang hat er an seinem Stück "Rosa" gearbeitet. Am Sonntag hat er das 116-Seiten-Drama mit einer Lesung im ehemaligen Gebäude des "Neuen Deutschland" am Ostbahnhof vorgestellt.

"Rosa" ist ein richtiger Schinken mit ausführlichen Essay-Einschüben. Und natürlich mit biografischen Verweisen. Havemann hatte 1968 gegen den Einmarsch der Russen in die Tschechoslowakei prostestiert und war darauf im DDR-Knast gelandet. 1971 floh er in den Westen und arbeitete als Elektriker, Hausmeister, Beleuchter und Straßenkehrer. Havemann hat 1978 im "Spiegel" über seinen Vater geschrieben und in den 80ern eine Serie von Artikeln über "Masse als kulturelles Phänomen" in der "taz" veröffentlicht. Irgendwann fragte er sich: Was wäre, wenn Rosa Luxemburg überlebt hätte? Was hätte sie zu Stalins Straflagern und zu Hitlers KZs gesagt? Wie wäre ihr beim Blick auf die Menschenmassen rund um Gedächtniskirche und Europacenter zu Mute? "Rosa" gibt Antworten auf diese Fragen.

Havemann tritt auf Einladung der 1999 gegründeten Rosa-Luxemburg-Stiftung auf. Im überheizten Saal sitzen 100 Besucher, darunter viele Ältere, aber auch Jüngere. Wenn die Mehrzahl des Publikums PDS wählt, wäre das kein Wunder. Am Eingang liegt das "Neue Deutschland" aus, man kennt sich. Anlass ist Rosa Luxemburgs Geburtstag. Florian Havemann liest fast zwei Stunden lang. Er verfrachtet die Märtyrerin in die Sowjetunion der Stalinzeit, wo sie es mit zwei Tschekisten zu tun bekommt. Von dort geht es zu Hitler und Himmler und schließlich über zahlreiche Umwege ins Jahr 1989. Florian Havemanns "Rosa" kommt nicht umhin, über die "friedliche Revolution" und weitere Begleitumstände des Mauerfalls zu staunen. Am Schluss stehen Gorbatschow, Honecker und Bärbel Bohley gemeinsam auf Havemanns imaginärer Bühne und die Luxemburg redet mit einer Nutte.Im Sommer soll "Rosa" bei einem Frankfurter Verlag erscheinen.

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