Kultur : Wenn Wellen brechen

Bodo Mrozek

Es geschah irgendwo in der Südsee, auf einer Insel namens Jawaii. Ein Mann namens Mijayi ging am Strand spazieren. Die Sonne versank gerade blutrot in der Gischt, da fiel der Blick des Japaners auf ein Stück Treibholz: Kein Zweifel, es war eine Gitarre. Mijayi stürzte sich in die Fluten. Aufwändig restaurierte er das aufgeschwemmte Instrument und begann darauf zu lernen. Bald merkte er: Irgendetwas stimmte nicht. Jedesmal, wenn er die Saiten zupfte, klangen seine Lieder nach Brandung, Wellen und Sonne. Egal, was er spielen wollte: aus der Gitarre kam nur Surfmusik.

Mijayi trug das Instrument in Jimbo’s Vintage European Surf Shop. Meister Jimbo brauchte nur einen Blick darauf zu werfen, um zu erkennen, dass er ein magisches Instrument in den Händen hielt: Es war die berühmte, verschollene Klampfe von Dick Dale, dem wohl berühmtesten Surf-Gitarristen zwischen Huntington Beach und Honolulu. Nun wusste Mijayi Bescheid. Der Rest sind Fakten: In seiner japanischen Heimat forschte Mijayi nach ähnlicher Musik – und fand Eleki, die japanische Surfmusik. Er ging nach München, um in einem japanischen Restaurant Sushi zu rollen. In seiner Freizeit probte er mit der Band Tsunami Riders, die über Nacht zur besten bayerischen Surfband avancierte. Schließlich gründete er die Tiki Tiki Bamboos .

Seitdem hat der Mann nicht nur eine Gitarre, sondern auch eine Karriere. Die Bamboos erschienen auf dem „Sushi & Soul“-Sampler, die Weihnachtssingle „Aloha Christmas“ kam sogar in der Volksrepublik China heraus. Mit der Kill-Bill- Band 5,6,7,8 bespielten die Bamboos die CD „Eleki Wakadai Show 2002“, das Cover zeichnete der Tiki-Künstler Moritz Reichelt (Der Plan). Amerikas Surfmusik-Papst Phil Dirt jubelte: „Die beste Surf-CD, die ich seit Jahren gehört habe!“ Und das soll einiges heißen.

Denn spätestens nach Quentin Tarantinos Coming-out als Surf-Fan schossen Bands dieses Genres auch auf dem deutschen Festland wie Atompilze aus dem Bikini-Atoll. Mit den weichgespülten Beach-Boys-Harmonien hat das eher weniger zu tun, die originale Surf-Musik liebt harte Twang-Gitarren und ist meist instrumental. Überraschende Breaks gehören dazu: Sie markieren den Moment, wenn der Surfer vom Brett abrutscht oder in der Tube einer Welle unter das schäumende Weißwasser gerät, den so genannten Wipe Out.

Aber selbst wer keine Surfmusik mag, kann sich der Bühnenpräsenz der Tiki Tiki Bamboos kaum entziehen. Wenn sie heute um 21 Uhr im Tabou Tiki Room (Maybachufer 39, Neukölln) spielen, werden sie vielleicht Hularöckchen um die Hüften und Hibiskusblüten im Haar tragen. Die sind in Berlins authentisch-

ster Tiki-Bar auch im Winter nie fehl am Platze – unter Kugelfischlampen und Bambus. Und wer genau hinsieht, kann vielleicht Wasser aus dem Schallloch von Mijayis Gitarre schwappen sehen.

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