Kultur : Wie ein kühler Abendwind

KLASSIK

Ulrich Amling

Draußen auf der Straße Gewitterschauer, im Foyer tropische Schwüle, im Saal künstliche Kühle: Verwirrten Sinnes taumelten die Besucher dem Konzert des TimmQuartetts im Kammermusiksaal entgegen. Ermüdet von den klimatischen Extremen sanken sie nieder, um ein reines Brahms-Programm der jungen Formation um Thomas Timm, den Konzertmeister der zweiten philharmonischen Geigen, zu hören. Und erlebten ihr zartes Wunder: Auftrumpfende Dreiwettertafft-Gesten sind dem Spiel der Timms fremd. Hier wird nichts aufgebauscht, modisch zerzaust oder mit falschem Glanz überzogen. Auch mit der Coloration gehen die Herren geschmackvoll um. Sie halten sich mit existenzialistischer Schwärze zurück, was das wunderbare Klarinettenquintett davor bewahrt, als ein großer Abschiedsseufzer zu entschwinden. Philharmoniker-Kollege Wenzel Fuchs fokussiert den Klang seines „süßen Hölzl“ mit Leidenschaft stets unterhalb von ausufernder Gemütlichkeit. Das Aufspüren feiner Linien, die Lust an der subtilen Variation machen die Interpretation des TimmQuartetts zum Ereignis – wie ein Windhauch am Ende eines heißen Tages. Das Klavierquintett allerdings ist von anderem Stoff, fordert das Gegenwort, den Konflikt. Doch Gianluca Cascioli verpasst es am Steinway, klare Akzente zu setzen. Mit einem versponnenen Pianisten ist schlecht streiten – besonders wenn man von zurückhaltender Natur ist wie das TimmQuartett.

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