Kultur : Wille zur Welle

Die Elbphilharmonie von Herzog & de Meuron soll Hamburgs Hit werden

Frederik Hanssen

Benedikt Stampa hat sich rechtzeitig ins Ruhrgebiet abgesetzt: Der Intendant der Hamburger Musikhalle ist seit August für das Dortmunder Konzerthaus zuständig. Glück für ihn. Denn wenn tatsächlich 2009 die neue Elbphilharmonie eröffnet werden sollte, wird keiner mehr Interesse daran haben, in der traditionsreichen Musikhalle von 1908 aufzutreten. Ist der Standort an der Westspitze der Hafen-City schon hoch attraktiv, so kann man den Entwurf der Architekten Herzog & de Meuron nicht anders als sensationell nennen. Über den trutzigen Quader eines ehemaligen Kakaospeichers wollen die Schweizer eine vollverglaste Riesenwelle setzen, mit einem 2200- Plätze-Konzertsaal, einem Nobelhotel und ebensolchen Appartements. Das alte Backsteingebäude ließe sich – noch ein Standortvorteil – als Parkhaus nutzen.

So scharfkantig-zackig sich die Fassade des Speicher-Aufbaus präsentiert, so fließend wären die Formen im Inneren des neuen Kulturzentrums: Herzog & de Meuron haben, inspiriert von der Berliner Philharmonie, eine Terrassenlandschaft entworfen, die sich in sanften Schlangenlinien um das zentrale Musikerpodium erhebt. Wie die ebenfalls vom Architekten-Duo erbaute Münchner Allianz-Arena sollen die Wände ihre Farbe wechseln können – je nach Stimmung der Musik.

Stolze 186 Millionen Euro werden als Bausumme veranschlagt. 77 Millionen davon wird die Hansestadt zuschießen, das hat der Senat am Mittwoch beschlossen. Der Rest muss aus privaten Schatullen fließen. In der reichen Handelsmetropole mit ihrem stolzen Bürgersinn nicht unbedingt ausgeschlossen. Spendenzusagen in Höhe von 40 Millionen liegen bereits vor. Denn die Idee, mit der Elbphilharmonie eine spektakuläre Landmarke zu setzen, begeistert die Leute. In der aktuellen Ausgabe des Kunstmagazins „Art“ gibt Architekt Jacques Herzog der Euphorie den theoretischen Überbau: „Die Elbphilharmonie ist ein exemplarisches Projekt: Es zeigt, wie sich eine Stadt durch Architektur und Kultur neu definieren kann. Hamburg ist eine der schönsten europäischen Städte, und gerade ihre Homogenität erlaubt es, an diesem besonderen Ort im Hafen einen vertikalen Akzent zu setzen und der Stadt damit ein neues Gepräge zu geben.“

Natürlich erhoffen sich die Stadtväter von dem Projekt einen kräftigen Kick für den Tourismus. Mit den 3,6 Millionen, die derzeit als Zuschuss für den laufenden Betrieb vorgesehen sind, lässt sich allerdings kein Weltstadtprogramm auf die Beine stellen. Das 2002 eröffnete Dortmunder Konzerthaus erhielt 300000 Euro mehr pro Saison – und rutschte trotz hervorragender Auslastung bei grenzwertig hohen Preisen ins Defizit. Um ihm überhaupt eine Chance zur schwarzen Null zu geben, gewährten die Dortmunder dem aus Hamburg abgeworbenen Benedikt Stampa gerade eine Etataufstockung auf 4,9 Millionen Euro pro Jahr.

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