Kultur : Wir brauchen eine deutsche Filmakademie!

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Die Einschaltquote war so schlecht wie seit Jahren nicht. Und das will etwas heißen, denn auch die früheren Übertragungen des Deutschen Filmpreises landeten bei Quoten, von denen man nicht geglaubt hatte, sie unterbieten zu können. Der Deutsche Filmpreis ist nicht populär, er ist es weit weniger als der Film, den er repräsentiert. Man kann vom deutschen Film halten, was man will, diesen Filmpreis hat er nicht verdient.

Die Branche ist sich über die Notwendigkeit einer Akademie weitgehend einig, auch wenn Jan Schulz-Ojala in seinem Artikel im Tagesspiegel, „Der lange Schatten der Schoschonen“ (16. Juni), es vorzieht, dies als meine Privatidee zu deklarieren.

Es geht uns nicht darum, der Jury, die bisher über die Auswahl der Filme bestimmt hat, Vorwürfe zu machen. Sie hat versucht, ihre Arbeit rechtschaffen zu lösen. Aber: Welches Gewicht hat ein Preis, der von einer elfköpfigen Jury vergeben wird? Kann dies eine profunde Leistungsschau des deutschen Filmes sein? Wir glauben nicht.

Die Legitimation der Auszeichnungen würde um ein Vielfaches gesteigert, wenn sie von den Mitgliedern einer Akademie ermittelt würde. Es ist eben eine ganz andere Sache für die Nominierten und für die Preisträger, zu wissen, dass die Elite der gesamten Filmbranche diese Auszeichnungen vornimmt. Um wie viel größer mag die Befriedigung und die Emotion im Moment des Sieges sein, einen solchen Preis in Händen zu halten. Eine Preisverleihung dieser Art, gestützt durch den Kulturminister, kann man im Fernsehen dann auch erfolgreich live senden – in der ARD, und zwar in voller Länge.

Kulturstaatsminister Nida-Rümelin ist offen, eine solche Lösung zu diskutieren, und wir, die Branche, begrüßen das. Denn niemand will eine Gegenveranstaltung – was wir wollen, ist, auf Grundlage des bisher Erreichten zusammen eine neue Qualität zu schaffen. Nun klingen allerdings – etwa im oben zitierten Artikel - Bedenken auf: Filme wie „Die Unberührbare“ von Oskar Roehler und „Die Innere Sicherheit von Christian Petzold hätten in einem solchen System „nicht den Hauch einer Chance“. Wie in aller Welt kann man zu so einem Schluss kommen? Beide Filme waren hoch angesehen und hatten gerade innerhalb der Branche eine enorme Popularität. Warum sollten gerade Regisseure oder Produzenten nicht in der Lage sein, die aus ihrer Sicht herausragenden Leistungen ihrer Kollegen zu erkennen und zu würdigen, wie hier Oskar Roehler – oder die Schauspielerin Hannelore Elsner?

Immerhin handelt es sich ja bei den Akademiemitgliedern um eine hochqualifizierte Gesellschaft, die sich in ihrem Stamm aus Filmschaffenden zusammensetzt, die für ihre Arbeiten bereits mit Bundesfilmpreisen in Gold oder Silber ausgezeichnet wurden.

Helmut Dietl und ich haben in der vorletzten Woche Kollegen aus allen Sparten der Branche angeregt, eine Erklärung zu unterschreiben, dass sie die Filmakademie wollen. Praktisch alle haben dies auf ersten Anruf hin getan. Darunter auch viele dem sogenannten „Mainstream“ nicht Verdächtige, wie etwa Romuald Karmakar oder Katharina Thalbach. Übrigens auch Oskar Roehler und Hannelore Elsner. Ihnen und allen Anderen ist nicht erklärlich, wieso wir hierzulande, wie in anderen großen Filmländern längst üblich, keine Filmakademie haben.

Bernd Eichinger ist Filmproduzent

in München.

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