Kultur : Wir und die anderen

Fotografieren heißt festhalten, Zeit gerinnen lassen, Zeit aufhalten. Das genau scheinen die beiden mit ihren Bildern aber nur bedingt zu tun. Bei soviel Alltag und Hautfalten, en passant erwischten Badewannenszenen und Herumalbern im Sommergarten, soviel Vergehen von Zeit und Jahren, blicken sie eher dem Verrinnen der Zeit ins Auge, als das Einhalten der Zeit zu feiern. Die Aufnahmen von Alice Springs sind viel kühler und distanzierter als diejenigen ihres Mannes - und auf eine gewisse Weise vielleicht ehrlicher, was sogar Helmut Newton anerkennt. "Ich kann die Wahrheit und die Einfachheit in den Porträts von Alice Springs sehen", sagt er und gesteht für sich selbst: "Ich erkenne in meinen Fotografien die Manipulation und die Bearbeitung." Die nackte Natürlichkeit ihrer Körper verwandelt sich vollkommen in Kunst und Künstlichkeit, in einem Vexierspiel der Ebenen des Sehens. Ich sehe dich, mein Kameraauge sieht dich, du siehst mich im Spiegel, der Dritte - "us and them" - sieht uns. Und in der Ausstellung in Paris können wir sehen, wie die anderen diese beiden anderen sehen. Eine interessante und intelligente Geschichte aus Witz und Tod, Leben und Sehen: Das gibt es nicht alle Tage.

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