Kultur : Wo der Hase läuft

Zeichentrick mit Actionhelden: „Looney Tunes“ von Joe Dante

Andreas Conrad

Langsam gleitet die Kamera auf die Dusche zu. Wasserrauschen, schemenhafte Bewegungen hinter dem Vorhang. Ein Schrei, Schnitt auf den Duschkopf. Gegenschnitt auf den Abfluss, in dem dunkle Schlieren vergurgeln. Alles bekannt. Aber die Figur hinterm Vorhang: Nein, keine Blondine. Ein Hase!

So zahlreich wie die Trickfilmhelden in Joe Dantes „Looney Tunes – Back in Action“ über die Leinwand toben, so vielfältig sind die Anspielungen: Hitchcocks „Psycho“, „Indiana Jones“, „Star Wars“, „Batman“, „James Bond“ – alles da. Ein stetes Déjà-vu-Vergnügen. Derlei zielt aufs erwachsene Publikum. Zumal Kids wohl nur mühsam durchschauen, dass die Action-Auftritte der realen Schauspieler die Fortsetzung der märchenhaften Comic-Randale sind. Denn auch „Looney Tunes“ vermischt in irrwitzigem Pointenfeuer die Schauspiel- mit der Trickfilmkunst. Man kennt das, aus „Space Jam“ mit Basketballlegende Michael Jordan und aus „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“ mit Bob Hoskins.

Diesmal ist Bugs Bunny ein alter Filmhase, der seinen Gegenspieler Daffy Duck vor die Kamera zurückholen will: ein Vexierspiel also auch über die Scheinwelt Hollywoods, mit dem geschassten Warner-Bros.-Wachmann DJ Drake (Brendan Fraser), der zickigen Comedy-Vizechefin Kate (Jenna Elfman), dem Agenten Damian Drake (Ex-007 Timothy Dalton) und dem nach Weltherrschaft gierenden Mr. Chairman (Steve Martin). Dass es bei der Verfolgungsjagd um ein Zauberjuwel namens Blue Monkey geht – geschenkt. Oder nicht: Auch der Blaue Affe birgt ein Déjà-vu für Fortgeschrittene. (In 19 Berliner Kinos)

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