Kultur : Wo die Metapher versagt

Steffen Richter

über den Jahrestags der Auschwitz-Befreiung Als amerikanische Aufklärungspiloten im August 1944 Fotos von Birkenau machten, konnten sie sich die Bilder nicht erklären. Obwohl seither viele Regalmeter an wissenschaftlicher und belletristischer Literatur über Auschwitz geschrieben worden sind, ist das, was sich mit dem Namen verbindet, bis heute unvorstellbar. Trotzdem werden Gedenkveranstaltungen wie die zum 60. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers immer wieder versuchen, das Unbegreifliche fern des „Betroffenheitsrituals“ (Paul Spiegel) aus der Sphäre der Metapher in konkrete Realität zu überführen. Während auf der Hauptbühne des Berliner Ensembles Lessings frühe Recherche über den Antisemitismus, das Lustspiel Die Juden , aufgeführt wird, widmet man sich im Gartenhaus des BE mit einer Lesung einer anderen Opfergruppe. Unter dem Titel Lustig ist das Zigeunerleben (27.1., 20 Uhr 15) wird an die 20000 ebenfalls in Auschwitz ermordeten Sinti und Roma erinnert. Dabei lesen Schauspieler aus Zeugnissen von Überlebenden.

Mit Daniel Libeskind ist heute der Sohn zweier Holocaust-Überlebender im Jüdischen Museum zu Gast (19 Uhr 30). Der 1946 in Polen geborene Stararchitekt kam über Israel nach New York. In Berlin hat er mit dem Bau des 2001 eröffneten Jüdischen Museums – sein erstes Großprojekt – vor allem mit den in das Gebäude integrierten Erinnerungsräumen, „Voids“ genannt, für Aufsehen gesorgt. Nun erzählt Libeskind in seiner Autobiografie „Breaking Ground“ (Kiepenheuer & Witsch) von den „Entwürfen seines Lebens“. Dabei geht es nicht zuletzt um den Auftrag, das World Trade Center in New York neu zu errichten.

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