Kultur : Wolkenkratzer mit Tempeldach

Eine Berliner Diskussion über Metropolen in einer globalisierten Welt im Rahmen der Initiative „Global Compact“

Ulf Meyer

„Global Compact“ ist nicht der Name eines Automodells, sondern ein Abkommen zwischen den Vereinten Nationen und einigen Privatunternehmen für eine „menschliche Globalisierung“. Das 1999 von Uno-Generalsekretär Annan angeregte Programm verpflichtet Firmen, „die Prinzipien der Menschenrechte bei allen Aktivitäten , bei den Arbeitsbeziehungen und im Umweltschutz zu beachten“. Nun veranstaltet die Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen im Rahmen der „Global Compact-Initiative“ mit der DaimlerChrysler AG eine Konferenzreihe, die sich an junge Akademiker aus aller Welt richtet. Beim vierten jährlichen „Internationalen Dialog Berlin“ kamen Politiker und Wissenschaftler zu einer Diskussion über „Mega-Cities in aller Welt“ im „Weinhaus Huth“ am Potsdamer Platz zusammen.

Heidemarie Wieczorek-Zeul, Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, steckte zu Beginn den Rahmen der Betrachtung denkbar weit: Solange „europäische Rinder höher subventioniert“ würden „als viele Menschen in Afrika“, würden „Hunger und Armut Massenvernichtungswaffen“ bleiben. Dass Armut schnell in Terrorismus münde, wies T. C. Rangachari, der Botschafter Indiens, zurück. Obwohl in den indischen Riesenstädten der Wildwuchs die Planungen stets überholt, biete das Leben in den über 400 Millionenstädten der Dritten Welt noch immer einen attraktiven „Aufstieg aus sozialen und wirtschaftlichen Zwängen auf dem Land“.

Weil auch in Indien, „der größten Demokratie der Welt“, Stadtplanungen oft von langwierigen Bürgerbegehren aufgehalten werden, wünschte sich Petra Roth, die Oberbürgermeisterin von Frankfurt am Main und Präsidentin des Deutschen Städtetags, die Machtfülle ihrer Kollegen in undemokratischen Staaten wie China. Die vergleichsweise kleine Stadt Frankfurt gilt als einzige deutsche Stadt im Kreis der „Global Cities“. Weltweit gibt es viele Kommunen, die den erfolgreichen Aufstieg ihrer „Mega-Region“ gerne kopieren würden.

Es war jedoch das Verdienst von Stadtforscher Ronald Daus von der FU Berlin, darauf hinzuweisen, dass die gegenwärtige Globalisierung „historisch mindestens die dritte Internationalisierungs-Welle“ sei. Auch in den globalisierten Mega-Städten würden nur die kulturellen Werte importiert, die sich örtlich anpassen ließen. In China habe das Leben in Hochhäusern nur deshalb so breite Akzeptanz gefunden, weil auf die modernen Wolkenkratzer von findigen Architekten einfach umstandslos chinesische Tempeldächer gepfropft würden.

Weitere Informationen unter www.unglobalcompact.org und www.idb-net.org

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