Young Euro Classic : Den Tanz zu den Menschen bringen

Von Beethoven bis Leonard Cohen: Das Bundesjugendballett zeigt bei Young Euro Classic, was Tanz heute alles bedeuten kann. Eine Darbietung voller Hingabe.

Elias Pietsch
Mit Hingabe. Das Bundesjugendballett im Konzerthaus.
Mit Hingabe. Das Bundesjugendballett im Konzerthaus.Foto: Mutesouvenir/Kai Bienert

Beim Auftritt des Bundesjugendballetts am Samstagabend im Konzerthaus steht eins klar im Mittelpunkt: die Varianz. Von der Musik über die Tanzstile zum Zusammenwirken der unterschiedlichen Kunstformen. Die aus sieben Nationen stammende, sehr junge Gruppe – alle sind zwischen 19 und 22 Jahre alt – bietet vor allem in der ersten Hälfte des Programms einen faszinierenden Einblick darin, was Ballett heute bedeuten kann. Musikalisch ist von Beethoven über Massenet bis zu Leonard Cohen alles dabei, eine Choreografie wird sogar nur durch einen Beatboxer begleitet. Innerhalb der tänzerischen Darbietungen sind die Musiker zudem immer präsent und werden oft aktiv in den Tanz mit eingebunden.

Für einige der Tänzer ist es der letzte Auftritt mit dem Bundesjugendballett. Das ist der Hingabe in jeder ihrer Bewegungen deutlich anzumerken. Das ganze Ensemble besticht durch ungewöhnlich viel persönlichen Ausdruck. Nicht alles wird synchron getanzt, immer wieder bricht einer der Tanzenden gewollt aus. In „Muted“ , einer Choreografie des Italieners Sasha Riva, spielt Mimik eine große Rolle, die die sonst so undurchdringliche Maske der Tänzer durchbricht. Beim Pas de deux kommen die szenischen Elemente besonders zum Tragen.

Am Ende kommt noch einmal alles zusammen

Das Stück namens „Totilas – Der Ritt“ liefert am Ende der ersten Hälfte eine selbstironische Note. Zu den Klängen des TV-Mitschnitts eines Dressurreitens tanzt Tilman Patzak, ein Mann mit leuchtend roter Mähne, das titelgebende Pferd. Sein Traben, Springen und Fallen gerät zu einer feinen Parodie der „Choreografien“ der Pferde in dieser Sportart, aber auch der Choreografien des (klassischen) Balletts an sich.

Nach der Pause folgt das Herzstück: „Verklärte Nacht“ von Wubkje Kuindersma zur Musik Arnold Schönbergs. Hier kommt noch einmal alles zusammen – die inmitten der Tänzer sitzenden Musiker, eine Choreografie mit starken narrativen Elementen, das Miteinander des Ensembles. Erklärtes Ziel des Bundesjugendballetts ist es, den Tanz zu den Menschen zu bringen. Gelungen!

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