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Kultur: Young Euro Classic: Du und die Welt - Das National Youth Orchestra of Ireland im Konzerthaus

Dem Begriff "Jugendorchester" haftet immer noch so etwas von rührendem Idealismus an. Aber man sollte sich nicht täuschen - nicht nur von der musikalischen Qualität her, sondern auch in ihrer Organisation handelt es sich bei den meisten Orchestern, die zur Young Euro Classic im August in Berlin gastieren, eigentlich schon um professionelle Institutionen.

Dem Begriff "Jugendorchester" haftet immer noch so etwas von rührendem Idealismus an. Aber man sollte sich nicht täuschen - nicht nur von der musikalischen Qualität her, sondern auch in ihrer Organisation handelt es sich bei den meisten Orchestern, die zur Young Euro Classic im August in Berlin gastieren, eigentlich schon um professionelle Institutionen. In der Fülle von ausgedehnten sommerlichen Reiseaktivitäten, die diese Orchester durch Europa führen, bildet Berlin jetzt die Schnittstelle, und der Gendarmenmarkt mit dem Konzerthaus dient auch als gediegener Rahmen für eine musikalische Euro-Kampagne, die durch das Fehlen von England und Schweden als Nicht-Euro-Länder wie zufällig ihren Hintersinn erhält. Das Jeunesse Musicales Weltorchester, soeben von einer Tournee durch Ex- und Noch-Jugoslawien zurückgekehrt, spielte am Eröffnungsabend. Statt einer angekündigten Uraufführung von Hans Werner Henze gab es ein Streicherstück des lettischen Komponisten Peteris Vasks und ein "Concerto piccolo über B-A-C-H" von Arvo Pärt. Dass beides ziemlich blass blieb, lag nicht nur an den formal recht beliebig wirkenden Werken, sondern auch an der wenig pointierten und bei Pärt rhythmisch teilweise wackeligen Darbietung unter Yakov Kreizbergs Leitung. Herzenssache war Musikern und Dirigenten nach der Pause allerdings Rachmaninows 2. Symphonie. Mit ebenso perfekt wie auffällig sprechend phrasierten Bläsersätzen und einer emotionalen Energie, die die innere Spannung über mehr als eine Stunde aufrecht erhielt und sich nicht an bloß aufgebauschte Äußerlichkeiten verschwendete, konnte diese Aufführung technisch wie musikalisch schon Maßstäbe setzen für die kommenden Wochen.

Martin Wilkening

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