Young Euro Classic : Träumereien aus China

Das Guangzhou- Symphonieorchester aus China präsentiert bei den Young Euro Classic das traditionelle chinesische Instrument Cheng. Die Männer sind im Orchester in der Überzahl.

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Das Guangzhou Youth Orchestra bei Young Euro Classic
Das Guangzhou Youth Orchestra bei Young Euro ClassicFoto: Kai Bienert/ Young Euro Classic

Es ist ein sehr junges Jugendorchester, das zum ersten Mal nach Berlin kommt: 2011 vom professionellen Guangzhou- Symphonieorchester gegründet, debütierte es 2012 in der Konzerthalle der südchinesischen Metropole Guangzhou. Wenn es sich nun in der Reihe Young Euro Classic präsentiert, so bringt das Jugendorchester, das sich in enger Zusammenarbeit auch dem China Philharmonic Orchestra und anderen führenden Klangkörpern des Landes verbunden fühlt, einen Virtuosen auf der Cheng mit: Jia Lei. Die Cheng ist mit ihren 3000 Jahren eines der ältesten chinesischen Musikinstrumente. Für den Filmkomponisten Zhao Lin, geboren 1973, ist es indes eine Herzenssache, das betagte Holzblasinstrument – „Sheng steht für das spirituelle menschliche Sein“ – in ein zeitgenössisches Werk zu integrieren. Sein Doppelkonzert, „Duo“, verbindet die Cheng mit einem modernen Cello, dessen Part kürzlich in New York von Yo-Yo Ma gespielt wurde und hier im Konzerthaus mit schmeichelndem Ton von Li-Wei Qin. Melodienreich ist diese chinesische Musik von heute, eine Sinfonia concertante als konzertante Ehe von Alt und romantisch Neu.

Im Orchester, das die Dirigentin Huan Jing animierend mit pädagogischem Impetus leitet, sind die jungen Männer deutlich in der Überzahl. Zu dunklen Westen tragen sie blütenweiße Hemden, deren leuchtende Ärmel die Motorik der Musik quasi choreografisch unterstreichen. Von den Frauen (in Schwarz) hört man einige feine Bläsersoli.

Geschichte lässt sich nicht wegdenken aus einer solchen Begegnung. Die Kulturrevolution hat den Komponisten Qigang Chen zwecks Umerziehung drei Jahre in einem ideologischen Arbeitslager interniert. Als er später ins Ausland gehen darf, wird er Schüler Olivier Messiaens. Sein 2009 in New York von Lang Lang uraufgeführtes Klavierkonzert spielt jetzt Haochen Zhang introvertiert wie eine knapp begleitete Träumerei. Chinesische Melodik auf wohltemperiertem Piano. Einfühlsam, wie er musiziert, wählt der Interpret als beste passende Zugabe die „Träumerei“ von Schumann.

Technisch bewundernswert ist die erworbene Beherrschung der westlichen Partituren und ihrer Farbpalette durch die Musiker in kurzer Zeit wie auch ihr Zusammenspiel. Alles ist Klarheit, kluger Aufbau der Dirigentin. Ein Wunsch aber bleibt, das Atmosphärische betreffend: Dass dem „Eulenspiegel“ von Strauss und dessen „lustigen Streichen“ zwischen den Noten ein Schuss Humor zukommt und dem „Feuervogel“ von Strawinsky ein Hauch Theaterluft.

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