„Zermatt-Festival“ : Berliner Philharmoniker spielen am Matterhorn

Das Scharoun-Ensemble der Berliner Philharmoniker nimmt wieder Kurs auf den Gipfel. Beim „Zermatt-Festival“ vom 03.-19.September.

Höher hinaus geht es für einen Musiker wirklich nicht: Auf 2222 Metern über dem Meeresspiegel liegt die Kapelle der Riffelalp, Anfang September wird sie sich wieder in einen Konzertsaal verwandeln. Dann nämlich machen sich die Mitglieder des Scharoun-Ensembles der Berliner Philharmoniker aus dem Flachland auf den Weg zum „Zermatt-Festival“. Seit sechs Jahren pflegt die Truppe um den Kontrabassisten Peter Riegelbauer eine Tradition aus den fünfziger Jahren. Damals gaben zwei Weltstars allsommerlich Meisterklassen in der Schweizer Bergwelt, nämlich der Cellist Pablo Casals und die Pianistin Clara Haskil.

Nach Haskils Tod schliefen die musikalischen Höhenkammaktivitäten allerdings ein. Doch die Hotels drängten auf eine Attraktion für die Zwischensaison, mit der Credit Suisse fand sich 2005 ein potenter Sponsor – und das Scharoun-Ensemble bekam carte blanche bei der künstlerischen Gestaltung des Festivals. Seitdem verbringen die Berliner in der Oberwalliser Ortschaft jeweils zwei Septemberwochen mit 35 bis 40 Nachwuchsmusikern, die sich aus internationalen Jugendorchestern rekrutieren. Gemeinsam erarbeitet man Orchester- wie auch Kammermusikprogramme, die dann in der Dorfkirche oder eben auf der Riffelalp präsentiert werden.

Die Stipendiaten nutzen die Gelegenheit, im intensiven Kontakt mit den Profis Praxiserfahrungen zu sammeln, die Philharmoniker wiederum empfinden die ländliche Idylle geradezu als Ferienverlängerung. Auch wenn sich die Bläser jedes Mal zunächst wie Anfänger fühlen: ziemlich kurzatmig. Nach dem Höhentraining allerdings gehen sie ihre Arbeit in der Philharmonie dann doppelt entspannt an.

Die traumhaft schöne Natur macht es dem Scharoun-Ensemble leicht, Gastkünstler aufs Matterhorn zu locken: Diesmal kommen zwischen dem 3. - 19. September unter anderem die Mezzosopranistin Vesselina Kasarova, der Pianist Michel Dalberto sowie der philharmonische Solo- Oboist Jonathan Kelley, für eine Aufführung von Frank Martins Oratorium „Le vin herbé“ rückt Marcus Creed gleich mit dem ganzen Vocalconsort Berlin an. Und der Komponist Heinz Holliger wird als composer in residence nicht nur eigene Werke dirigieren, sondern auch Mozart, Mendelssohn und Schubert. F.H.

Infos: www.zermattfestival.com

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