Kultur : Zoo mal so

KUNST

Peter Herbstreuth

Während der Documenta gehörte das „Bataille-Monument“ von Thomas Hirschhorn zu den kontrovers besprochenen Aktionen. Abseits der Ausstellungshäuser hatte er in Kassels Nordstadt mit Bewohnern einer multikulturellen Siedlung die Grenzen des Skulpturalen erweitert. In Begleitung von neun Helfern, die sich um die Anlage gekümmert hatten, legte Hirschhorn in der Galerie Arndt + Partner anlässlich der Finissage seiner Installation „Doppelgarage“ Rechenschaft über seine Documenta-Erfahrungen ab. Die Einwohner Kassels kümmere die Kunst wenig. Mit dieser Abneigung habe er arbeiten wollen. Von 630000 Documenta-Besuchern „sahen“ etwa 30000 das „Bataille-Monument“. Die Leute aus der Siedlung „nutzten“ dagegen dessen befristete Möglichkeiten. Anschauung und Gebrauch trennen Welten. Hirschhorn wollte seine Anlage als Kunstwerk behaupten. Kritiker warfen ihm Sozialkitsch vor, Missbrauch der Siedlung als Zoo, Trash-Ästhetik. Doch jeder Helfer wurde bezahlt,und die Bewohner hatten vergnügt ein schwarz gekleidetes Kunstpublikum beobachten können. Der Zoo kam in die Siedlung.

„Würden Sie die Arbeit nochmal machen?“, fragte jemand die Helfer. Wenn sie wieder bezahlt würden, so die Antwort. Und jetzt? Die Stadt setzte die Helfer in fünf ABMStellen ein. Inzwischen arbeitet nur noch einer, einer unterzieht sich einer Drogentherapie, einer sitzt im Gefängnis. Normaler Alltag – bis zur nächsten Documenta. Derweil sucht Hirschhorn einen Ort für sein „Gramsci-Monument“.

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