Kultur : Zu sehen in der Kunsthandlung Jörg Maaß in der Rankestraße

Wo die Bar wohl gelegen hat? "Kahlbaum" hat Max Beckmann seine Kaltnadelradierung von 1917 betitelt, und damit kann eigentlich nur der Name des brechend vollen Lokals gemeint sein : ein klaustrophobisches Stück Welttheater, mit allerlei Nachtschattengewächsen, dunklen Gestalten, kostümierten Damen und Herren, die auf der Bühne zwischen den Kulissen ihr zwielichtiges Spiel treiben. Die Besucher der Kunsthandlung Jörg Maaß in der Rankestraße 24 führt es ein in Max Beckmanns metaphorische Bildwelt, die hier anhand zahlreicher Beispiele zu besichtigen ist (bis Ende Februar, Mittwoch bis Freitag 15-19 Uhr, Sonnabend 11-15 Uhr). Über fünfzig Druckgrafiken bieten einen eindrucksvollen Überblick - angefangen mit der fast impressionistischen Lithografie "Kneipe" von 1911 (12 500 Mark) bis zu dem kompletten Zyklus "Day and Dream", der 1946 in New York entstand (58 000 Mark). Zwischen Tag und Traum siedelt vieles von dem, was er gestaltete. Die Welt der Gaukler, der Kostümierten und Maskierten diente ihm als Spiegelbild des gesellschaftlichen Lebens, das er, in Zwirn und mit Melone ("Selbstbildnis mit steifem Hut", 1921), genauestens beobachtete, um es sodann entlarvend ins Bild zu setzen. Viele Bekanntheiten hält die Austellung bereit, doch besonders sehenswert sind die Raritäten, die bislang kaum öffentlich gezeigt wurden, etwa eine mit Bleistift überarbeitete, verworfene Variante der Lithografie "Die Letzten" aus dem Zyklus "Die Hölle" oder die Radierung "Eisgang" von 1917. Beckmann hat die menschenleere Darstellung vermutlich nur ein einziges Mal gedruckt. Wirklich interessiert hat ihn eben nur das menschliche Treiben mit seinen Abgründen, dafür aber in all seinen Facetten.

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