Kultur : Zucchero

Diese Woche auf Platz 9 mit: „Zu & Co“

Ralph Geisenhanslüke

„Four, Three, Two, One“ – die heisere Stimme zählt den ersten Song ein. Dann kommt die Trompete.Nach dem ersten Ton ist klar: Diese Stimme kann nur einem gehören. Ein Ton, und die Sonne geht auf. So klang nur Miles Davis. Um diesen Ton zu hören, hat Zucchero vor 15 Jahren eine Liebe aufgegeben, sagt er. Denn als Davis sich bereit erklärte, den Song „Dune Mosse“ einzuspielen, hatte der Sänger sich gerade mit seiner Frau auf den Malediven an den Strand gelegt, um den nicht ganz wunschgemäßen Zustand ihrer Ehe zu besprechen. Ein paar Tage später aber stand er in einem New Yorker Studio, und Davis sagte: „Ich liebe Deine Stimme. Ich muss weinen, wenn ich diesen Song spiele.“

Zuccheros Biografie ist voll von Ereignissen, für die mancher Musiker eine Frau im Sand liegen lassen würde: Er nahm das letzte Stück von John Lee Hooker auf, überredete Pavarotti, mit ihm zu singen, indem er ein Tape von „Miserere“ in den Kamin warf. Eric Clapton ist sein Freund, Sting sein Nachbar. Zucchero wurde 1955 als Adelmo Fornaciari in der Emilia-Romagna geboren. Als Junge bediente er dort die Kirchenorgel und liebte Puccini. Irgendwann aber hieß sein größter Held Joe Cocker – was noch heute hörbar ist. Dass Zucchero Italiens erfolgreichster Pop-Export wurde, liegt nicht allein daran, dass er seine Alben auch auf Englisch und Spanisch veröffentlicht, sondern, dass er in den letzten 35 Jahren schlicht mit Gott und der Welt spielte.

Einige dieser Zusammenkünfte hat er nun neu bearbeitet. Natürlich auch „Senza Una Donna“, bei dem selbst gestandene Männer noch heute feuchte Augen bekommen. Die Promi-Dichte auf diesem Album entspricht annähernd der einer Grammy-Verleihung. Zucchero betätigt sich mittlerweile auch als Freizeit-Winzer. Doch „vino prodotto dalle vigne della tenuta personale di Zucchero“ wird nur an registrierte Fans abgegeben – und leider nur in Italien.

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