Kultur : Zug der Zeit

Es lebe die Vergangenheit: Diego Arsuagas Roadmovie-Komödie „El último tren“

Hans-Jörg Rother

Söhne und Väter spielen gern mit der Eisenbahn, manchmal aber auch die Großväter – besonders wenn ein echtes Museumsstück noch einmal durch die Pampas fauchen darf und sie selbst dabei zu nationalen Helden avancieren. „El último tren – Der letzte Zug“ spurt eine Komödie um drei alte „Freunde der Eisenbahn“ und will zugleich ein patriotisches Fanal sein, auf dessen stürmischen Anfang leider ein allzu melancholischer Schluss folgt. Der Regisseur und die Darsteller kommen aus dem einst großen Filmland Argentinien, die alten Schienenstränge fand man in Uruguay, wo die aufpolierte Lokomotive Nr. 33 vor langer Zeit Güter in den Hafen von Montevideo zog.

Drei liebenswürdige Pensionäre wollen den Zug der Zeit umlenken. Das Prunkstück aus dem Depot darf nicht in die Hände nordamerikanischer Filmleute fallen, haben sie geschworen und kapern die Maschine. Auf geht’s in Richtung brasilianische Grenze, immer die Polizei auf den Fersen. Am einzigen Tunnel des Landes springen zwei Bewaffnete auf den Tender, aber Pepe, der Lokführer und vorgebliche Veteran des spanischen Bürgerkrieges, vertreibt sie mit einer Dynamit-Attrappe. Doch noch darf die Story nicht enden: Noch muss das Lokomobil verlassene Stationen und eine menschenleere Landschaft passieren, aus der freilich genug Sympathisanten herbeiströmen – und sie alle halten am Schluss, wenn sich die Männer dem listigen Feind ergeben müssen, das Banner des Widerstands hoch.

Die Idee dieses kleinen Kinospaßes ist so klar, dass dem Zuschauer jede Überraschung erspart bleibt. Die drei alten Herren, zu denen auf dem ersten Wegstück ein halbwüchsiger Junge gehört, genießen von Anbeginn die Sympathie des Zuschauers. Sie schneiden mächtig auf, wie es sich für Komödienfiguren gehört, und scheinen doch bemitleidenswert hinfällig. Ihre Darsteller kennt man, zumindest teilweise, in Argentinien, doch auf der schmalen Plattform findet ihr Talent nicht viel Raum. Stolze Gesichter trotzen Wind und Gefahr. Die Botschaft des Films flattert als Losung der Lok hinterher: „Unser nationales Erbe steht nicht zum Verkauf.“

Steht allein noch das Erbe, nicht mehr die Zukunft zur Disposition? Aber die war es, erfüllt vom langen Atem der Geschichte, die dem lateinamerikanischen Film einst Pathos und Größe verlieh. Mit Guito, dem Jungen, geht nun frühzeitig die Hoffnung von Bord. Am Schluss sieht man Leute ein totes Gleis besetzen. Kein Zug wird hier mehr fahren, nur eine ausrangierte Lokomotive. Die angeblich lebensechte Anekdote endet als traurige Farce.

Hackesche Höfe und Kant (beide OmU)

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