Kultur : Zukunftstanz

Die erste Biennale der Tanzausbildung in Berlin

Sandra Luzina

Wie die Zukunft des Tanzes aussehen könnte, lässt sich momentan im Berliner HAU – Hebbel am Ufer erahnen. Im Rahmen von „Context # 5“ veranstaltet das Theaterkombinat in Kooperation mit Tanzplan Deutschland zum ersten Mal eine „Biennale der Tanzausbildung“, an der alle 11 Hochschulen und Berufsfachschulen für Tanz in Deutschland teilnehmen. „Mit der Gründung des hochschulübergreifenden Zentrum Tanz in Berlin ist Bewegung in die Ausbildungssituation gekommen. So entstand die Idee, eine Plattform zu schaffen, um die Arbeiten der Studenten vorzustellen und einen Austausch zwischen den verschiedenen Ausbildungsinstitutionen anzuregen“, erklärt HAU-Dramaturgin Bettina Masuch, die zusammen mit Ingo Diehl vom Tanzplan Deutschland die Biennale leitet.

Nun treffen klassisch orientierte Ballettschulen auf Hochschulen, die sich den zeitgenössischen Tanz und die Ausbildung von Choreografen auf ihre Fahnen geschrieben haben. Ein zentrales Thema ist die Einführung multimedialer Lerntools in Tanzausbildung und Choreografie. An drei Abenden werden Experten die Tools in Lecture Demonstrations vorstellen. William Forsythes Projekt „One Flat Thing, reproduced – Online Interactive Score Project“ ist als InternetPlattform zur interdisziplinären Tanzforschung konzipiert. „One Flat Thing, reproduced“ aus dem Jahr 2002 bildet die choreografische Partitur; ein interdisziplinäres Team von Experten hat Methoden entwickelt, mit deren Hilfe man Strukturen der Choreografie analysieren kann. „Das ist nicht nur für Profis gedacht, sondern auch für tanzbegeisterte Laien, die verstehen wollen, wie eine Choreografie funktioniert“, betont Masuch. Bei der Biennale erlebt das Programm seine öffentliche Testphase, offiziell wird es im nächsten Sommer herauskommen.

„double skin/double mind“ von Emio Greco und PC versucht, ein spezifisches Notationssystem zu erstellen. Die interaktive Installation ermöglicht es aber auch, das Bewegungsvokabular Grecos zu erlernen. Bettina Masuch ist begeistert: „Das mutet für uns noch wie Science-Fiction an“, erklärt sie und ist doch überzeugt, dass sich solche Technologien durchsetzen werden. Die Biennale setzt den Fuß ins Forschungslabor. Sandra Luzina

Tanzabend heute, 20 Uhr, HAU 1. Lecture Demonstrations 1.–3.3., 20 Uhr

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