Kultur : Zum Himmel hoch

Wolkenkratzer im Architekturmuseum Frankfurt

Christian Huther

Der 11. September hat den Hochhausboom nicht gestoppt. Nach sicherheitstechnischem Aufrüsten geht es noch rasanter weiter. Vor allem höher, von Peking bis Moskau, von New York bis Dubai. Noch ist das vor zwei Jahren eingeweihte „Taipeh 101“ in Taiwan mit 508 Metern das höchste Gebäude der Welt. Aber erst vor zwei Jahren wurde ein „Internationaler Hochhaus-Preis“ ins Leben gerufen – von der kleinen Wolkenkratzerstadt Frankfurt am Main.

Bei der zweiten Auslobung ist die Qualität besser, auch wenn nur 19 (statt vormals 38) Bewerbungen aus Europa, Australien, China, Singapur, Südkorea und Taiwan eingingen. Erstaunlich, denn die Vorgaben – Mindesthöhe 100 Meter und Fertigstellung höchstens zwei Jahre vor der Bewerbung – sind schlicht. Auch das Preisgeld von 50 000 Euro für den Architekten ist recht stattlich. Aber die High Society scheint sich nicht miteinander messen zu wollen. Unter diesem ironischen Titel zeigt das Deutsche Architekturmuseum in Frankfurt nun die Preisträger und rundet ihre Schau mit 16 Projekten außerhalb des Wettbewerbes ab.

So ist gut zu sehen, dass Hochhäuser zusehends verspielter werden und sich an einprägsame Formen anlehnen. Auch der jetzt prämierte Bau hat schon viele spöttelnde Bezeichnungen abbekommen, von „Gurke“ bis „Vibrator“. Aber der französische Stararchitekt Jean Nouvel, 1987 bekannt geworden mit seinem Glaskubus für das Pariser Institut du Monde Arabe und in Berlin präsent mit den Galeries Lafayette, dachte an einen Geysir, als er den Büroturm für die Wasserwerke in Barcelona entwarf. Der 142 Meter hohe „Torre Agbar“ besteht aus einer zylinderförmigen Betonschale und einem in 25 Farben schillernden Blechkleid. Darüber zog Nouvel als Hitzeschutz eine zweite Haut aus Glaslamellen. Der Bau steht am Rand eines neuen Stadtviertels, bildet aber aus der Ferne mit der legendären Kirche „Sagrada Familia“ ein reizvolles Duo.

Daneben gehen vier Auszeichnungen an Wohnhochhäuser. Santiago Calatravas „Turning Torso“ in Malmö besteht aus neun Kuben, die insgesamt um 90 Grad gedreht sind. Dieses derzeit modische Drehen des Baukörpers führt bei Calatrava zu unglücklich geschnittenen Räumen. Ganz anders sieht das beim Wiener Hochhaus von Delugan/Meissl aus, einem Projekt des sozialen Wohnungsbaus. Es kommt zwar funktional daher, bietet aber mit Loggien aus bedrucktem Glas große Privatzonen.

Von den 16 Projekten außerhalb des Wettbewerbes sind zwei realisiert, acht sind im Bau oder vor Baubeginn, der Rest ist in Planung. Als riesiger Tannenbaum will der Burj Dubai bald Taipeh einholen. China indes ist ein Kapitel für sich. So war man in Guangzhou begeistert vom L-förmigen Bau der Berliner Leon-Wohlhage-Wernik. Zuletzt aber verließ die Chinesen der Mut vor dem Schlagschatten.

Frankfurt am Main, Deutsches Architekturmuseum, Schaumainkai 43, bis 11. Februar. Katalog 22 €.

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