Kultur : Zum Tod des Kunstkritikers und Essayisten Günter Metken

NK

Die Kunstwelt hat einen Verlust zu betrauern, den Künstler, Kritiker wie Gelehrte gleichermaßen empfinden werden. Der Kritiker und Essayist Günter Metken ist in Tripolis im Alter von 72 Jahren an den Folgen eines Autounfalls gestorben. Der Tod hat ihn dort ereilt, wohin es den Kunstschriftsteller und Ethnologen immer gezogen hat: in die Ferne, zu fremden Kulturen. Entsprechend war eine seiner Aufsatzsammlungen mit dem Titel "In Künstlers Lande gehen" überschrieben. Mit seinen Erkundungsfahrten und Schriften hat der seit Studienzeiten in Paris lebende Metken dem Begriff "Weltkunst" gelebte Nachdrücklichkeit verliehen.

Mochten Metkens Vorlieben auch in der Kunst und Literatur des 19. Jahrhunderts, bei den Nazarenern und Präraffaeliten, ihren Ursprung genommen haben, so erwarb er sich seinen Namen doch mit darauffolgenden Kunstentwicklungen. Immer wieder widmete er sich dem Surrealismus und der Neuen Sachlichkeit, wichtige Beiträge zuMax Ernst und Rudolf Schlichter stammen aus seiner Feder. Mitte der siebziger Jahre meldete sich Metken auch als Ausstellungsmacher zu Wort und holte im Auftrag der Münchner Städtischen Galerie die "Spurensicherer" Boltanski, Gerz, Nikolaus Lang, die Poiriers und Annette Messager zusammen, die heute zu den gefragtesten Künstlern gehören. Ihrer künstlerischen Technik des Sammelns und Zusammenfügens von gefundenen Gegenständen gab er mit seinem Ausstellungstitel den prägenden Begriff. Dem bereits einem größeren Publikum bekannte Zeitungsautor schrieb sich endgültig ins Herz der Kunstgemeinde mit seinem 1987 zur Documenta 8 erschienen Kurzführer, der sämtliche Ausstellungsstücke anschaulich beschrieb und einordnete. Metken war ein Wanderer zwischen Kunstgattungen und Stilepochen, die er mit seiner klugen Beobachtungsgabe wie kein anderer zu verbinden wusste.

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