Zum Tod von Glenne Headly : Braves Mädchen, böses Mädchen

Ihre größte Gabe war die Unscheinbarkeit. Deshalb konnte Glenne Headly fast alles spielen - von der Gangsterbraut bis zur Polizistengattin. Jetzt ist sie mit 62 Jahren gestorben.

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Glenne Headly
Glenne HeadlyFoto: dpa

Die Betrüger zu betrügen, das ist große Kunst. Janet Colgate schafft das. Als angebliche Millionenerbin eines amerikanischen Seifenimperiums reist sie an die Côte d’Azur und trifft dort auf – so der Titel von Frank Oz’ Hochstaplerkomödie aus dem Jahr 1988 – „Zwei hinreißend verdorbene Schurken“. Michael Caine verkörpert einen Teufel im Smoking, der reiche Damen um ihr Erspartes bringt. Steve Martin trägt eine Marineunform mit sehr vielen Orden und ist im Rollstuhl unterwegs, auf der Jagd nach Mitleid und Moneten. Doch gegen Glenne Headly, die aus der Seifen-Prinzessin eine blitzsaubere Diva des Trickbetrugs macht, haben sie keine Chance.

Betrogene Betrüger

Einen Unternehmer, den sie dem vermeintlichen Anlageberater Michael Caine zuführt, fragt sie: „Wo würden Sie 15 Millionen Dollar investieren wollen?“ – „Vielleicht in Australien?!“ – „Da stelle ich Ihnen doch gleich Mr. Australia persönlich vor“ – „Warum nicht?!“ – „Ja, warum nicht!?“ Und alle Zaungäste dieser Szene skandieren im Chor: „Warum nicht!?“ Betrug funktioniert nur, so lautet die böse Moral, wenn Menschen betrogen werden wollen. Headly bewegt sich fahrig, man könnte sie für angetrunken halten. Dabei ist sie hellwach. Auf ihrer Schmierigkeit kann man schnell ausrutschen.

Glenne Headly, die 1955 in New London, Connecticut, geboren wurde und in San Francisco aufwuchs, begann ihre Karriere beim Theater. Sie gehörte zum Ensemble des berühmten Steppenwolf Theatre in Chicago und stand, ebenfalls in Chicago, in Sam Shepards Familiendrama „Curse of the Starving Class“ auf der Bühne. Mit dem Co-Star John Malkovich war sie ein paar Jahre verheiratet.

Königin der Fernsehserie

Headly besaß die Gabe, auf den ersten Blick unscheinbar zu wirken. Deshalb konnte sie im Kino fast alles spielen. Sie debütierte 1981 in Arthur Penns Gruppenporträt „Vier Freunde“, ergatterte eine kleine Rolle in Woody Allens Kintop-Hommage „Purple Rose of Cairo“ und spielte in Warren Beattys Comicverfilmung „Dick Tracy“ die unverdorbene Geliebte des Helden, Tess Trueheart. Daneben war Headly auch eine Fernsehkönigin. Sie trat in rund dreißig Serien auf, darunter als Dr. Abby Keaton in der Krankenhausreihe „ER“ und als Polizistengattin Karen Stottlemeyer in „Monk“. Glenne Headly starb am Donnerstag in Santa Monica, Kalifornien. Sie wurde 62 Jahre alt.

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