Zur Lage von Regisseurinnen : Lob der Quote

Eine kämpferische Diskussion über die Lage von Regisseurinnen.

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Reichen ein paar Nicht-Schauspielerinnen in der Jury und starke Frauen auf der Leinwand schon aus, um ein Festival zur Frauen-Berlinale zu machen? Auch wenn sich unter den 19 Wettbewerbsfilmen zehn um Heldinnen drehen (und sieben um männliche Protagonisten sowie zwei um gemischte Ensembles), finden sich unter den Bärenanwärtern nur drei Regisseurin. Dafür wird einem täglich auf Katalog-Rückseiten und Riesenpostern eine grotesk hypersexualisierte Kosmetikwerbung aufgedrängt.

Viele Frauen im Filmsektor haben genug von den herrschenden Verhältnissen und machen öffentlich mobil, etwa mit Protesten in Cannes 2010 und 2012. Nach Treffen auf dem Internationalen Frauenfilmfestival Köln und dem Athena Film Festival in New York luden beide Festivals nun in Berlin zu einer Debatte zum Status von Regisseurinnen, unter dem Titel „You Cannot Be Serious“ . Der rappelvolle Saal in der NRW-Landesvertretung und die grimmige Entschlossenheit der Statements machten deutlich, wie sehr das Thema brennt. Es ging weniger um Forderungen, als um konkrete Aktivitäten, die die Position von Frauen im Filmgeschäft stärken sollen. Besonders bei der internationalen Vernetzung wurden – dank Internet – Fortschritte gemacht: So existiert seit einem Jahr das International Women’s Film Festival Network.

Eine der dringlichsten Aufgaben, wurde betont, sei die Erhebung valider Daten zur Lage – besonders in Europa mit seiner institutionalisierten Filmförderung. Das sei wichtig, um mit Zahlen nachzuweisen, dass es nicht um weibliche Befindlichkeitsstörungen oder mangelnde Kompetenzen geht. Gar nicht so einfach, denn in Deutschland werden Förderanträge nicht geschlechtsspezifisch aufgeschlüsselt. Die vorhandenen Daten sind ernüchternd: Einer Untersuchung des European Women’s Audiovisual Network zufolge sind die Chancen der Beteiligung von Frauen umgekehrt proportional zum vorhandenen Geld. In Europa stieg die Zahl der Produktionen in den letzten 15 Jahren von 47 auf 55 im Jahr, während sie in den USA von 29 auf 20 sanken. Und gerade in den ökonomisch unentwickelten Kinematografien Lateinamerikas stellen Frauen die Mehrheit.

Vorbildlich ist einmal mehr Skandinavien. So konnte in Schweden mit einem Aktionsprogramm und einer Quote Parität geschaffen werden. Im audiovisuellen Bereich ist diese besonders wichtig. Denn es geht ja nicht nur um die Berufschancen von Frauen in der Film- und Medienbranche, sondern auch darum, wer welche Geschichten über unsere Welt erzählt. „Wie können wir von Diversität reden, wenn nur die Erfahrungen einer Hälfte der Menschheit zur Sprache kommt?“, fragte die spanische Filmemacherin Icíar Bollaín. Silvia Hallensleben

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