Kultur : Zurück: Avantgarde: Ulrich Krieger in den Sophiensälen

Volker Straebel

Einen besseren Beginn hätten die Freunde Guter Musik für ihre dreiteilige Reihe "Das Sax so von der Seite gesehen" in den Sophiensälen nicht finden können. Mit dem Berliner Komponisten und Instrumentalisten Ulrich Krieger wies eine feste Größe der internationalen Avantgarde-Saxophonie den Weg in komplexe Klangwelten jenseits der Klischees von Jazz- und Bar-Musik. Dafür dominierten andere Klischees, die der strukturell einfachen Verdichtung durch live-elektronisch überlagerte Sampling-Schleifen zum Beispiel. Kriegers eigenes "Speed it Up!" beginnt als Persiflage auf Minimal-Gedudel mit in Zirkular-Atmung rasend schnell gebrochenen Akkorden. Ein dreigliedriger Mittelteil unternimmt ähnliche Steigerungen ausgehend von ruhigeren Instrumentalklängen bis in der Reprise der Beginn nun auch in elektronischer Raumverteilung physische Präsenz erlangt. Die Uraufführung des Abends, "Siebenschläfer" von Kirsten Reese, fügt zu Tenor-Saxophon und Live-Elektronik ein am TU-Studio produziertes Zuspielband hinzu. Tiefe Schwebungsklänge, die bald von verstärktem Instrumental-Rauschen kontrapunktiert werden, sind nicht etwa rein elektronischer Natur, sondern wurden von Reese ungewöhnlich weichen Multiphon-Klängen des Saxophons abgelauscht. Im weiterhin dunkel tastenden Gestus vollzieht sich eine Annäherung beider Klangebenen, deren Eigenstrukturen bald wie unter dem Mikroskop der Elektronik erscheinen. Repetitionen kleingliedrigen Schmatzens und geschickt die Tonbandmusik der 60er Jahre zitierende Wisch- und Rauschverläufe zeugen ebenfalls von Reeses Sensibilität für Klangstrukturen von räumlicher Präsenz.

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