Kultur : ZURÜCK - CHANSON

RAOUL FISCHER

Adriana Lubowa sucht offenbar: Ihren Stil, ihr Publikum und ein passendes Programm.Nur etwa drei Dutzend Zuschauer hatten sich zu dem Konzert ins BKA am Mehringdamm eingefunden, und es ist sicher schwer, gegen 200 leere Plätze anzusingen.Das haben Adriana Lubowa und ihr Begleiter Matthias Binner (Klavier) professionell gemeistert.Aber abgesehen von manchen Highlights, ließ das Programm zu wünschen übrig.Die Stärke der schillernden Diva ist unbestreitbar ihr Gesang.Mit rauchiger tiefer Stimme interpretierte sie Lieder, deren gefühlvolle Texte größtenteils aus ihrer Feder stammen, und die Musik aus der Matthias Binners.Schwach ist dagegen das Rahmenprogramm, eine simple Geschichte: Die Sängerin und ihr Pianist sterben und kommen in den Himmel.Nach kurzem Streit mit einem garstigen Engel um den Platz auf der Wolke, entscheiden sie sich für den "Außendienst".Und so stehen sie vor den Zuschauern.Warum das Ganze "Razzia im Paradies" heißt, ist dabei den Abend über unklar geblieben.Zudem geriet die Darstellung bisweilen hölzern, die Geschichtchen waren eher von verhaltenem Witz, das Einbeziehen der Zuschauer von gar keinem.Auch dramaturgisch schien die Diseuse schlecht beraten.Adriana Lubowa mußte singenderweise klettern, schaukeln, unter einem Flockati auf dem Boden herumkriechen - zuviel sinnlose Show.Am Ende gab es dann doch kräftigen Applaus, verdientermaßen für Sängerin und Pianist.Hätte man als Zuschauer drei Wünsche frei für das Programm (noch bis zum 6.März, Mittwoch bis Sonntag, um 20 Uhr), wünschte ich mir für die Vorstellung mehr richtigen Gesang, wie etwa bei den fabelhaften russischen Liedern - man versteht vielleicht den Text nicht, die Stimme kommt aber schön zum Tragen.Weniger Aktion auf der Bühne.Und - bitte! - keine platten Telefongespräche mehr mit dem "Lieben Gott".

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben