Kultur : ZURÜCK - FILM

KAI MÜLLER

Es beginnt in einem Dschungel-Sumpf Südostasiens: Eine Roboter-Gefechtseinheit der UN wird von Rebellentruppen in einen Hinterhalt gelockt und aufgerieben. Ihr Kommandant, Yukihito Tsuge, der die von Menschen gesteuerten Kampfmaschinen ("Patlabors") selbst entwickelt hat, kann mit Glück entkommen und beginnt daufhin einen Rachefeldzug gegen die japanische Regierung, die er für das Scheitern seiner Blauhelm-Mission verantwortlich macht. Ein Idealist, der sich enttäuscht von einer kleinmütigen Welt abwendet und ihr fortan demonstrieren will, wie verletzbar sie ist. Die Story des japanischen Animationsfilms "Patlabor 2" von Mamoru Oshii, der im Eiszeit läuft (OmU/engl.), ist zwar simpel, aber glänzend inszeniert. Die Stadt Tokyo, die von dem genialen Ingenieur Tsuge bald durch Terroranschläge ins Chaos gestürzt wird, gleicht einer Seelenlandschaft - voller architektonischer Metaphern für die Vergänglichkeit von Wohlstand und Sicherheit. Man scheint in das angefressene Herz einer Zivilisation zu schauen, deren technologische Phantasie ihr selbst verdächtig bleibt. Als nach einem Raketenangriff auf eine Tokyoter Brücke die japanischen Streikräfte in den Verdacht geraten, den Anschlag verübt zu haben, taumelt das Land an den Rand eines Bürgerkriegs. Nur dem tatkräftigen Heldenmut von zwei Polizei-Offizieren, die ihre demolierten Patlabor-Einheiten gegen deren einstigen Erfinder und seine modernisierten Roboter-Generationen anrennen lassen, ist es zu verdanken, daß Japan nicht erneut von den Amerikanern besetzt wird. Beeindruckend ist, mit welcher Ernsthaftigkeit in dieser Pop-Fiktion über moralische Probleme diskutiert wird - auch wenn die Lösung zuweilen etwas einfältig ist. Was bleibt, ist eine melancholische Trauer, die in idyllischen Bildern über die Dünnhäutigkeit der Welt grübelt.

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