Kultur : ZURÜCK - GESANG 2

ULRICH AMLING

Kennen Sie Australiens größten Showbusiness-Star? Sie denken an Dame Edna? Weit gefehlt.Es ist Geraldine Turner, so jedenfalls wirbt die Bar jeder Vernunft, die die Dame samt ihrer 25jährigen Bühnenerfahrung zum Deutschland-Debüt geladen hat.Doch ein Star ist, wen man als Star erkennt.Wer aber unbekannt ist, der muß sich sein Publikum erst erobern.Irgendwie wußte das die Turner auch, eine leichte Nervosität schwebte bis zur Pause in ihrer Stimme.Trotzdem legte sie den "American Show Tunes" gewidmeten Abend als Rückblick auf ihre Karriere an, erwartete, daß man sich für ihre Vergangenheit interessiert, noch bevor sie durch ihre Gegenwart in Bann geschlagen hatte.Ihr "Career Medley" löste dann auch kein zustimmendes Wiedererkennen aus, was neben der unbekannten Interpretin sicher auch an den in unseren Breitengraden weniger prominenten Show-Nummern liegt.Diese fatale Programm-Dramaturgie drohte Geraldine Turner zum Verhängnis zu werden.Doch Erfahrung zahlt sich gelegentlich aus.Von ihren zahllosen Musical-Auftritten hat die Turner gelernt, großes Pathos in kleinen Liedern zu entdecken.So formt sie "Ten Cents a Dance" zur funkelnden Innenansicht einer nicht mehr jungen "private dancer".Haarsträubend intensiv gestaltet sie die Hoffnung der alternden Stummfilm-Diva Norma Desmond auf ein Comeback in "As If We Never Said Goodbye" aus "Sunset Boulevard".Traumverloren schön, hoffnungslos-trügerisch.Die Bar bebt."You have been a delight", haucht Geraldine Turner zum Abschied."I love Berlin" - jetzt kennen wir ihn, Australiens größten Showbusiness-Star (noch heute und morgen, jeweils um 20.30 Uhr, in der Bar jeder Vernunft an der Schaperstraße).

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