Kultur : ZURÜCK - Klassik

PETER SÜHRING

Dieses Konzert zehrte vom Reiz des Unechten, von den verräterischen Momenten, in denen der Nachahmer sich entlarvt.Die wollten gehört sein.Denn außer, daß die Musikwissenschaft weiß, diese Stücke können nicht sicher zugeschrieben werden, ist an den Sachen immer etwas auch hörbar faul.Was Matthias Wollong als Dirigent und Geigensolist gut konturierend mit dem Deutschen Kammerorchester sonntags im Schauspielhaus aus den Verzeichnissen der Herren Köchel und Hoboken als zweifelhaften Mozart und Haydn zum Besten gaben, war von diesem Kaliber und als Stilblütenlese gemeint.Weil der Überbringer eines D-Dur-Konzertes, KV 271 a, mit der Geige so hoch hinaus wollte wie Paganini, konnte Wollong zwar in unmozartische Höhen abheben, dem Publikum aber auch nicht verhehlen, daß hier eine spätere fremde Feder Mozart überbieten wollte und sich dabei verrenkte.Der Orchesterpart ist weniger verräterisch, eine Idee zu akkruat, ein bißchen zu vorsichtig gewürzt mit echt mozärtlichen schönsten Unregelmäßigkeiten.Hier steckte Mozart in einem Maßanzug, der ihm eben doch nicht paßte.Auch das Hornkonzert, Hob VIId:4, ist gar keine schlechte Fälschung.Nur wenn man es mit dem echten Haydn-Konzert, dem eleganten Umgang des Meisters mit den melodischen und spieltechnischen Möglichkeiten des Waldhorns vergleicht, dämmert es einem langsam.Hätte der Imitator sich nicht hinter Haydn versteckt, würden die Hornisten in Ermangelung eines zweiten Haydn-Konzerts das seinige unter seinem Namen gerne spielen.So wie Uwe Holjewilken es tat, mit rundem Ansatz strömten trotz trockener Akustik burleske Figuren und sonorer Gesang aus seinem Wunderhorn.Am beeindrucksten aber war eine spröde Musikalische Exequie auf den Tod einer geliebten Frau, die ein Notenhändler am besten meinte als eine Sinfonia von Locatelli veräußern zu können.

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