Kultur : ZURÜCK - Neue Musik

VOLKER LÜKE

Zeitkratzer nennt sich ein im Kern aus zehn Musikern bestehendes Composer-Per- former-Ensemble, deren Musik den aufge- weckten Zuhörer in ein neues Zeitalter zwischen "E" und "U" befördern soll, wofür sie sich wie bereits vor zwei Jahren Gäste ins Podewil geladen haben.Den Anfang macht diesmal der japanische Noise-Maker Merzbow a.k.a.Masami Akita, der das Ensemble mit der Vitalität eines Amokläufers durch die Arrangements seiner Stücke "Crack Groove" und "Yahowa Stackridge" hetzt und dabei elektronische Sperrfeuer abfackelt, laute Ausbrüche von schrillem, brutalem Getöse, durch das bollernde Frequenzen und fiepsige Rückkopplungen dringen.Einen gescheiten Kontrast dazu bildet anschließend das halbstündige Ambient-Stück "The ant moves the black and yellow carcass a little closer" von Bernard Günther, das einem meditativen Abgleiten in eine entrückte Klangwelt gleichkommt.Ganz sachte brummt der elektronische Strom von CD, während die Musiker von Zeitkratzer den Ausdruck geheimnisvoller Ruhe mit eingeknüpften Flüstertönen unterstützen und sich dabei so unerträglich langsam steigern, wie man es bei den allerschwierigsten Gymnastikübungen tun muß.Dazwischen werden neben "Five" von John Cage, das als Referenzpunkt auch bei den nächsten Auftritten in Variationen aufgeführt werden soll, seltsame Performance-einlagen geboten wie das "gruppendynamische" Stück "Schönen Gruß" von Tuba-Spieler Melvyn Poore, bei dem sich die Musiker beim Spiel an den Händen festgebunden haben - es muß nicht immer alles gelingen, aber es geschieht mit größtmöglicher Perfektion, so daß man gespannt sein darf, wenn am 18.und 25.1.weiter an den Nerven der Zuhörer gekratzt werden soll.

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